https://mobirise.com/

Infos

Liebe Interessierte,

als Betroffener und Gründer dieses Vereins, möchte ich versuchen an Hand von Texten meine Krankheit als auch bestimme Begriffe der Psychologie zu erklären. Mir ist es wichtig, das Angehörige und Helfende einen Eindruck davon bekommen, was in meinem Kopf passiert und warum ich in Teilen anders bin, als gesunde Menschen.
Diese Texte sollen zum Nachdenken anregen und zu einem Dialog führen. 

Themen

Liebe Interessierte,

heute möchte ich mich zu den oben genannten Sätzen äußern, die mich schon ein Leben lang begleiten und mich in vielerlei Hinsicht schmerzen. Bei sehr vielen Gesprächen mit gleichgesinnten chronisch erkrankten Menschen sind die Erfahrungen fast Deckungsgleich. Man kann hier tatsächlich von einem kollektiven gemeinsamen Erleben und gleichen Gefühlen, welche diese Sätze auslösen, sprechen.

Es wäre leichtsinnig zu glauben, das meine Erkrankung erst im späten Erwachsenenalter ausgebrochen ist. Das meine Erkrankung eine erwachsene Trotzreaktion ist, die mich in diesem Lebenszeitalter begleitet.

Ursachen für dauerhafte psychische Erkrankungen liegen meist tiefer und sind nicht zu verwechseln mit momentanen Lebenstiefpunkten, einer vorübergehenden Perspektivlosigkeit oder anderen Momentaufnahmen, die zu einer Depression führen können.

In meiner persönlichen Historie weiß ich mittlerweile, das mein Erlernen, also das Suchen nach Nischen um psychischen Gewalttaten meiner Eltern zu entgehen, seit früher Kindheit antrainiert wurde. Ich habe das nicht bewusst getan, sondern die Situation zwang mich, diese Mechanismen zu erlernen und zu verinnerlichen. Als Kind befindet man sich in einer abhängigen Situation zu Eltern und Umfeld und hat wenig Einfluss auf eigene Veränderung.

Ich weiß heute auch, das es genetische Vorbelastungen seitens meiner Mutter geben muss, denn meine Erinnerung an die Mutter meiner Mutter sind nach wie vor präsent und meine Großmutter war hoch depressiv. Über Ihre Vergewaltigung im Krieg, das daraus hervorgegangen Kind , meine Mutter und die Sprachlosigkeit bis zu Ihrem Tod ( meine Mutter weiß bis heute nichts von der Vergewaltigung, da mein Vater erst letztens zugab, Ihr es nie erzählt zu haben) ganz zu schweigen. Aber wann immer ich mich dort aufhielt oder musste, weiß ich, das Sie immer stumm im Sessel saß und einen Topflappen strickte. War er fertig , machte Sie Ihn wieder auf und fing von vorne an.

Als Kind hatte und muss ich schon manische Phasen gehabt haben. Ich konnte z.B. , wenn ich von der Schule kam, nicht gleich Hausaufgaben machen. Da ich mit meiner Mutter oder meinem Vater den Schulalltag nicht besprechen konnte, weil es sie nicht interessierte, gewöhnte ich mir an, den kompletten Schultag mittags nachzuspielen. Erst wenn schlimme Situationen im Spiel für mich einen anderen Ausgang genommen hatten, war ich in der Lage Hausaufgaben zu machen. Mit dem Ergebnis, das ich erschöpft und sehr unkonzentriert war. Das Spielen wurde natürlich von meiner Mutter gesehen und beobachtet, meist sogar sehr brutal unterbrochen. Damals bekam ich schon zu hören : Du bist anders als andere, du musst Dich zusammenreißen und Du musst wollen.

Soweit so gut.

Heute bin ich erwachsen und habe eine ausgebildete Persönlichkeit kann man argumentieren und was interessiert der Schnee von gestern? Auch das wäre töricht zu denken.

Als ich 2012 den Entschluss fasste, Rente zu beantragen und mich den Augen von unzähligen Gutachtern, verachtenden Diagnosen und Bürokratie stellte, musste ich mir auch von diesen Seiten ganz oft sagen lassen : Sie müssen nur wollen. Andere schaffen das auch.

Wer bitte sind andere ? Was muss ich wollen? Wieso bin ich anderes als andere? Diese Frage drängte sich mir damals schon auf.

Wenn ich heute in einem Gespräch gefragt werde, was ich denn beruflich mache, dann sage ich : Ich bin Rentner und chronisch erkrankt.

Meist entspinnt sich dann erst einmal ein interessantes Gespräch. Doch im Laufe des Gespräches fallen dann oben genannte Sätze. Wenn ich mich nur anstrengen würde, dann käme ich über meine nicht überwindbaren Punkte hinweg. Man dürfe nicht zu sehr an der Vergangenheit festhalten. In meinem Alter wäre Rente doch so ziemlich das Letzte , was man sich vorstellen könnte.

Ja, sage ich dann immer : Mein Lebensziel und meine Lebensplanung sah auch anders aus.

Für einen chronisch erkrankten Menschen mit einer psychischen Erkrankung , sind solche Sätze sogenannte Trigger ( Auslöser von sehr unangenehm Bildern der Vergangenheit, die man entweder in sich begraben hat oder die man versucht in den Grifft zu bekommen ). Natürlich kann das Gegenüber so etwas nicht wissen, aber in den meisten Fällen, bekommt er es zu spüren, das hier gerade die Büchse der Pandora geöffnet wurde.

Ich möchte Euch versuchen zu erklären, wie schwer es manchmal ist in der Gesellschaft zu existieren, besonders dann, wenn die Trigger über ein Leben lang aufgebaut wurden und Sie oftmals nicht zu bändigen sind.

Viele erkrankte meiden die Gesellschaft anderer Menschen. Auch ich gehöre hin und wieder dazu , da ich meine Phasen mittlerweile erkenne und weiß, wann es für mich ungünstig ist und ich nicht in der Lage sein werde verhältnismäßig zu reagieren, sollten Trigger auf mich prallen.

Aber mit der Krankheit an sich sind wir schon in einer schwierigen sozialen Situation, da ein Verständnis oft fehlt. Rückzug und sozialer Abbau sind die Folge. Nur genau das verschärft die Krankheit und treibt erkrankte Menschen noch mehr in Alkoholabhändigkeit, Drogen oder andere Flüchte. Ich kenne viele Beispiele davon.

Unsere momentane Gesellschaft, die oft als Histrionische Gesellschaft bezeichnet wird, ( eine Gesellschaft , in der die einzelnen Mitglieder um jeden Preis im Mittelpunkt stehen möchten ) erschwert oftmals das Verständnis für eine Erkrankung. Zumal nicht jeder Mensch so offen damit umgeht wie ich es tue.

Wenn ich jeden Morgen in den Spiegel schaue , dann sehe ich einen Mann, der zwar einer ist, der sich aber in einem falschen Film fühlt und der sich jeden Morgen fragt : Warum bist Du anders als andere ? Reiß Dich zusammen heute. Du kannst das. Der sich jeden Morgen fragt, warum er nicht einfach mal aufwachen kann und jubelnd und mit Energie aus dem Bett springen kann. Der Antrieb hat und keine Antriebslosigkeit.

Ich möchte Euch Leser einladen, solche Sätze , egal zu wem zu überdenken. Es sind keine Sätze die Mut machen, sondern Sätze die jemanden ausgrenzen, weil er oder sie gerade anders empfinden und einen anderen Weg gehen wollen, als der Rest.

Aber deswegen ist niemand ANDERS oder NICHT GEWILLT sich zusammenzureißen.

Eure stets dankbare Tante Woo 

Liebe Interessierte,

ich möchte Euch heute mit Euch meine Erfahrungen mit Psychopharmaka und Therapie in einem kurzen Bericht teilen und Euch einen Einblick in meine Erfahrungen geben, solltet Ihr mit solchen behandelt werden oder es etwa in Erwägung gezogen werden.

Als meine Störung, bzw. meine Summe von psychischen Störungen 2011 richtig ausbrach, hatte ich bereits 2009 bei einem Psychiater um Hilfe gebeten.

Mein innerer Druck nahm seit 2009 beständig zu, ich fühlte mich bereits hilflos in den einfachsten Alltagssituationen und meine Perspektivlosigkeit in Bezug auf den Job, mein privates Umfeld und mein soziales Verhalten änderte sich langsam aber stetig. ABER: Für mich erst einmal nicht einsichtig. Ich wusste im Unterbewusstsein, das ich in eine Katastrophe schlitterte, aber den Rat , 2009 einfach mal 6 Wochen auszusetzen um damit dem “ Erschöpfungszustand “ entgegenzutreten, schloss ich kategorisch aus, da ein Ausfallen über so eine lange Zeit im Job meistens zu einer Versetzung , wenn nicht gar Arbeitsplatzverlust unter lächerlichen Vorwänden und vor allem Misstrauen in Leistungsfähigkeit , Flexibilität und Zuverlässigkeit führt.

Damals wurde mir als erstes Medikament der Beta Blocker verschrieben und da ich erhöhten Blutdruck hatte, ein Blutdrucksenker. Erhöhter Blutdruck sollte in jedem Fall behandelt werden, allerdings ist meine Erfahrung das Beta Blocker zwar Erregungszustände abmildern, aber wie bei allen Medikamenten, die auf die Psyche wirken, das Gefühl von “ ich bin ferngesteuert und nicht mehr ich selber “ verstärken. Bei mir äußerte sich das in Konzentrationsschwäche und es unterliefen mir Fehler, die mir normalerweise nie passiert wären. Ebenso war zwar mein aufbrausen und meine Überreaktion bei bestimmten Situationen gedämpft, aber bei abklingen der Wirkung, verstärkte sich diese Wut wieder.

Als ich 2011 in die Klinik ging für 3 Monate wurde ich auf sogenannte Serotoninhämmer gesetzt. Morgens nahm ich einen Stimmungsaufheller, abends bekam ich Tavor oder andere schlaffördernde Mittel.

Tavor hatte die unangenehme Nebenwirkung bei mir, das ich einen sehr großen Überhang am nächsten Morgen hatte. Sobald ich die Tablette abends zu spät einnahm oder vorher gegessen hatte und das Medikament deswegen später wirkte, lag ich morgens völlig benommen in meinen Frühstück und ich war erst Mittags wieder ansprechbar,bzw. behandelbar. Ebenso schlimm ist die Nebenwirkung der sexuellen Funktionsstörung und man hat gar kein Verlangen mehr, jemandem körperlich nahe zu kommen.

Mittlerweile nehme ich gegen meine manisch-depressive Erkrankung Lamotrigin , was eigentlich in die Gruppe der Neuroleptika fällt und nicht in die Gruppe der Depressiva. Das ist ein sehr großer Unterschied. Neuroleptika wirken besonders bei Manie, Schizophrenie.

Ich erhielt auch eine Behandlung mit Lithium. Lithium verhindert in phasenfreien Zyklen, das eine Manie oder Depression erst gar nicht mehr entsteht. Der Nachteil ist, das dieses Medikament in seiner Dosierung sehr genau vom Arzt beobachtet werden muss, man sehr häufig zur Blutabnahme muss und wie bei mir passiert, die Leber ein bestimmtes Enzym durch die Behandlung nicht mehr gespaltet hat und ich es daher wieder absetzen musste.

Ich habe vom generellen Ausbruch bis zur endgültigen Diagnose im Jahre 2012 ungefähr 10 verschiedene Psychopharmaka ausprobiert und mit vielen enorme Schwierigkeiten gehabt und streckenweise waren die depressiven Phasen noch schlimmer als ohne.

Ich bin aber trotzdem der Meinung, das Medikamente bei bestimmten Störungen hilfreich sein können.

ABER : Ich gebe Euch den Rat. Fragt Eurem Arzt Löcher in den Bauch über die Wirkung solcher Medikamente. Sucht Euch wenn möglich gleich einen Psychiater , der Medikamente verschreiben darf und besser bescheid weiß als ein Hausarzt. Fragt Ihn, solltet Ihr mehrere Medikamente gleichzeitig einnehmen, nach Wechselwirkungen, sexuellen Funktionsstörungen und vor allem , fragt, ob die Wirkung kontraproduktiv wirken kann, in Bezug auf die verschiedenen Wirkstoffe der Medikamente. Fragt, ob es Einschränkungen in Wahrnehmung und sozialem Verhalten geben kann. Ich kann nur empfehlen in Härtefällen oder bei dem leistesten Verdacht von Euch, das hier nur ruhig gestellt werden soll, eine zweite Meinung einzuholen, bzw. sofort einen Therapeuten zu Rat ziehen. Denn der Psychiater ist in der Regel der “ Pillendreher “ , der Medikamente verschreibt. Aber , er kann Eure Persönlichkeit und Struktur nicht erfassen, es sei denn , er ist auch Euer Therapeut. Wenn Ihr Euch unwohl mit der Wahl der Medikamente fühlt, scheut Euch nicht zu sagen, das man darüber schlafen und nachdenken will. Und vereinbart wenn nötig eine Testphase mit dem Arzt und geht sofort zu Ihm, wenn Ihr merkt, das ein Medikament Euch nicht gut tut.

Ich verfahre seit 2012 genau so und bin durch das Lamothrigin zwar nicht von Manie und Depression befreit, aber die Kurve ist im Verhältnis besser ausgeglichen.

Ich bin grundsätzlich mittlerweile der Meinung , das Medikamente als auch Therapie in Ihrer Wirkung begrenzt sind.

Ich möchte Euch raten immer daran zu denken : Als psychisch erkrankter Mensch verlieren wir weder unsere bisherige Lebensleistung, unser Urteilsvermögen und vor allem unsere Mündigkeit. Dem Druck , dem wir ausgesetzt werden, weil wir uns oft nicht in der Gesellschaft outen mit dieser Krankheit , weil wir Vorurteilen, Mobbing und anderen sozialen Demütigungen ausgesetzt sind, ist wahnsinnig hoch. Ich benötige für bestimme Bereich , vor wenn es um meine Gesundheit und dem einschätzen von Gefahren geht, einen klaren Kopf. Und eine psychische Erkrankung ist bei jedem Menschen individuell. Uns verbinden vielleicht ein paar Schnittmengen in Erfahrungen oder traumatischen Erlebnissen, aber die chemischen Reaktionen und die verhaltenstechnischen Reaktionen sind bei jedem Menschen sehr unterschiedlich. Das wird von vielen Menschen entweder gar nicht registriert oder wahrgenommen. Ein Tumor ist ein Tumor. Ihn kann man sehen. Unsere Erlebnisse , die wir verdrängt haben , oder Bilder die wieder nach oben kommen und die unterschiedliche Reaktionen hervorrufen, kann man nicht von außen sehen.

Genau aus diesen genannten Gründen, liegt es mir so am Herzen, das Therapiezentrum voranzutreiben, Respektvoll mit dieser Erkrankung und den Menschen dahinter umzugehen und zu helfen. Genau aus diesem Grund ist der Verein Künstlerhilfe e.V. entstanden.

Ich grüße und verbleibe mit dankbaren Grüßen

Eure Tante Woo 

Liebe Interessierte,

heute möchte ich ein etwas brisantes Thema aufgreifen, das mich und sicherlich auch andere Menschen betrifft und im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung eine fatale Wirkung hat. Der Alkohol.

Mir ist es selber in der letzten Woche wieder zweimal passiert. Ich befinde mich seit Wochen in einer ausgesprochen manischen Phase. Gedanken rasen, ich könnte ein Buch, ein Programm, Songs und andere Dinge zusammen erledigen und nicht nacheinander, ich kann kaum still sitzen und meine Stimmen ( ich habe ja leider zusätzlich das Problem von Gedankenlautwerden ) schwirren und schwirren und man bekommt sie kaum in den Griff.

Normalerweise sperre ich mich dann ein. Was bedeutet, ich verlasse das Haus nur zu den wichtigsten Dingen wie Einkaufen oder Zigaretten holen. Sage meinem Mann bescheid, das es wieder anstrengend wird und versuche meine Impulse wegzugehen bis früh morgens zu unterdrücken. Weil ich weiß, das ein Nachgeben fatale Folgen hat.

Trotzdem bin ich letzte Woche zweimal ausgegangen und habe mir damit tatsächlich in mehreren Punkten geschadet: Warum ?

Zum einen habe ich das Problem, das ich bei klaren Getränken, wie Wodka und Gin kein Ende mehr finde. Ich trinke nicht mehr nur , sondern saufe. Ich genieße anfänglich das Gefühl, das meine Stimmen leiser werden, ich befreiter bin von Druck und Last, von Gedanken warum ich eigentlich von niemandem ( was gefühlt ist und in meiner Denke existiert ) gemocht werde, belächelt werde oder ausgegrenzt werde.

Nach ungefähr 6 Wodka Red Bull und diversen Schnäpsen steigt dann die Wut über alles das hoch und ich kann bei einem entsprechenden Trigger sehr schnell gefährlich werden und mein Supermann Syndrom macht sich breit. Das gilt nicht im allgemeinen, aber es kann passieren.

Da ich als Kind nie wirklich Zärtlichkeit in Form von Umarmungen, einem gewissen Urvertrauen genossen habe und ich eine sehr schwierige Beziehung zu meiner eigenen Sexualität habe ( was bedeutet, ich kann mich nicht hingeben, es genießen ) steigt in betrunkener Form genau das . Ich bin ja schließlich taub in diesem Zustand. Es kommt daher oft zu sehr ungewöhnlichen Begegnungen bis hin zu sehr gefährlichen Situationen.

Meine Mutter, die mit mir grundsätzlich überfordert war, forderte eine Menge ein, nämlich das ich mich Ihren Ansprüchen unterordnen musste. Ich hatte kein eigens ich, konnte keine eigenen Entscheidung normal treffen sondern habe mich der psychischen Gewalt damit entzogen, das ich entweder Mädchen Verhalten oder Jungen Verhalten gemischt habe, nur damit ich den Tag überlebe. Damit wusste ich tatsächlich lange nicht, was ich eigentlich bin. Auch heute noch mit fast 50 Jahren fühle ich mich manchmal weder als Mann noch als Frau. Ich bin immer hin und hergerissen zwischen einer passiven und aktiven Seite ( was jetzt nicht auf Praktiken bezogen ist ). Ein gutes Beispiel ist z.B. Tante Woo. Ich singe nur als Frau, weil ich denke , das ich als Mann auf der Bühne nichts tauge und ausgelacht werde. Ich verdiene es nicht, meine männliche Seite offen zu zeigen.

Aber zurück zur Alkoholsucht. Ich habe angefangen seit 2011 mit quasi zu betäuben. Und das in vollen Zügen. Ergebnis aber neuerdings nach solchen Nächten, sind Angstattacken, noch mehr Stimmen und ich bestrafe mich mit Gedanken und habe richtige Panikattacken. Weiteres Ergebnis : Ich muss Tavor nehmen, damit diese Zustände weichen. Ein ganzer Tag ist futsch und ich verfalle in eine sehr große Traurigkeit.

Ich muss erkennen , das ich mittlerweile Alkoholiker bin und das ich schleunigst etwas ändern muss.

Wenn ich auf die Bühne gehe und mit Roman beginne zu singen, ist das in meinem Leben tatsächlich der einzige Moment, an dem ich mich sicher fühle, wo nichts mehr passieren kann, wo mein Selbstwertgefühl für mich fühlbar ist und wo ich keinerlei Angst habe, zu versagen. Selbst wenn Menschen das gar nicht gut finden, bleibt dieser Moment erhalten.

Alkohol im Übermaß ist für jeden Menschen eine Herausforderung. Alkohol im Zusammenhang mit der Einnahme von Psychopharmaka ein Selbstmord auf Raten.

Ich möchte Euch nur einen Gedankenanstoß geben um vielleicht mal über Eure eigene Situation nachzudenken. Es kann wirklich nicht früh genug sein.

Ich weiß selber, das ich noch viel lernen muss um meine eigenen Trigger zu erkennen, warum ich mich selber bestrafen will über die Tatsache, das ich überhaupt existiere. Viele von Euch werden sagen, das ist Quatsch. Aber ich kann ja nur für mich reden und in meiner Wahrnehmung ist es kein Quatsch.

Ich verbleibe mit herzlichen Grüßen und bin wie immer Eure sehr dankbare Tante Woo

Liebe Interessierte,

was war es für ein großartiges Jahr, dem Startjahr des Vereins, 2016.

Am 03.05.16 gegründet und mit dem ersten Benefizkonzert im Oktober im Kukuun in Hamburg das erste Mal öffentlich.

Seither hat sich viel getan. Die Spendeneinsammlung für das Jahr 2016 betragen 5.000 EUR und die Mitgliederanzahl wächst auch. Aber es ist viel zu tun.

Stigmata und Vorurteile gegenüber psychischen Krankheiten sind durch einen Verein nicht aus dem Weg geräumt und Spendengelder und neue Mitglieder müssen gefunden werden.

Tante Woo und Roman Who? unsere Schirmherrin und Roman Who? gehen deshalb ehrenamtlich nun auf das AIDA Schiff AIDAaura und werden dort zwei Konzerte geben um weiter auf den Verein und für die hohe künstlerische Qualität , die Künstler trotz der Krankheit haben, aufmerksam zu machen.

Zuvor spielen Sie am 20.01. und 21.1.17 auf einem Festival in Rendsburg. Am 18.03.17 und 22.04.17 stehen dann beide auf der Bühne des Schmidt Theaters auf der Reeperbahn in der berühmten Schmidt Mitternachtsshow.

Im Februar wird dem Verein noch ein Preis verliehen. Darüber werden wir noch gesondert berichten.

Im Herbst sind dann ein Theaterstück mit Tante Woo und weitere Konzerte geplant.

Das geplante Therapiezentrum wird ebenfalls dieses Jahr starten. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Der Verein Künstlerhilfe e.V. möchte möglichst schnell zu weiteren Ergebnissen kommen um Betroffenen, Angehörigen und Freunden mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Ganz ohne Mithilfe allerdings wird es nicht gehen. Deshalb die Bitte, teilt diesen Post gerne in Eurem Bekanntenkreis , besonders auch in Hamburg. Wir beginnen in Hamburg einen Stab an ehrenamtlichen aufzubauen, die unregelmäßig ein paar Bürodinge erledigen können oder aber auch mithelfen, neue Mitglieder zu akquirieren.

Ich möchte allen Betroffenen, Interessierten, Mitgliedern , Angehörigen und Freunden ein glückliches neues Jahr 2017 wünschen. Mir geht es auch im Moment wieder nicht so gut, aber ich weiß und halte mich daran fest, das es auch wieder Phasen gibt, in denen die Sonne scheint. Dieser Verein bietet genau den Schutz den wir Künstler benötigen. Wir können nach unseren Kräften und Situationen, ohne Druck ein Konzert planen oder gar ausführen und uns aber auch mitteilen. Werden akzeptiert, respektiert und finden eine Gemeinschaft. Das sind wichtige und überlebenswichtige Dinge.

Ich grüße Euch herzlich , wo auch immer Ihr seid und verbleibe mit herzlichem Gruß

Eure stets dankbare Tante Woo 

Hallo Ihr Lieben Interessenten,

ab sofort geht das o.g. Coaching los. Ich habe mich entschlossen, mein Wissen von 30 Jahren Bühnenerfahrung an Menschen weiterzugeben.

Folgende Inhalte möchte ich vermitteln :

1. Selbstanalyse der eigenen Bühnenpräsenz und Weiterentwicklung der Kunstfigur als DRAG oder Darsteller.

2. Grundlagen in Brainstorming um auf der Bühne ein Thema in Worte zu fassen.

3. Sicheres Auftreten durch Stütze, klares Sprechen und Pausen auf der Bühne aushalten.

4. Dramaturgie der Kunstfigur entwickeln in Aussehen und Wiedererkennungseffekt.

5. Gefühlte Interpretation und Vermittlung von Texten in Lied und Sprache.

6. Gesangtraining für Fortgeschrittene Sänger in Stütze, Atmung, Vorbereitung und erlernen von verschiedenen Klangfarben der Stimme an Songs die bereits auf der Bühne gesungen werden. Es wird gebeten die Musikdatei auf Stick oder über WeTransfer mitzubringen.

7. Entwickeln einer eigenen unverwechselbaren Biographie der Kunstfigur in Einbezug der eigenen Biographie

8. Lip Synk Training.

Das Coaching wird in Einzelsitzungen angeboten und richtet sich an Darsteller und Künstler, die auf der Bühne singen, sprechen und spielen möchten. Es ist nicht geeignet für Darsteller und Künstler die mehr im Tanzbereich oder Coverbereich unterwegs sind.

Dauer pro Einheit sind mindestens 1 1/2 bis 2 Stunden einzuplanen.

Kosten :

Mitglieder des Vereins Künstlerhilfe : 50 EUR pro Einheit

Nichtmitglieder : 75 EUR pro Einheit.

Nichtmitglieder oder Mitglieder die Rente, ALG oder Hartz4 beziehen : 30 EUR pro Einheit.

Termine können unter PN Andreas Schmidt vereinbart werden.

Da diese Arbeit gegenseitiges Vertrauen voraussetzt , ist die erste Einheit für ein gemeinsames Kennenlernen kostenfrei. Um eine Spende für den Verein wird gebeten.

Ich freue mich auf ein Kennenlernen und spannende Erfahrungen.

Eure stets dankbare Tante Woo

Ein Wochenendkurs dieses Coachings ist in Planung. Ich werde über den Start berichten. 

Guten Morgen liebe Interessierte,

hier eine Zusammenfassung was Tante Woo ist und für was der Verein Künstlerhilfe e.V. steht.

Wer ist Tante Woo ?

Seit diesem Jahr ist Tante Woo nicht mehr wegzudenken und vor allem wegzuhören aus Hamburg. Man sieht Sie in nächtlichen Clubs, auf Konzerten, in Galerien und verschiedenen anderen Orten mit Ihrer unverkennbaren grandiosen Stimme auftreten.

Doch wer ist Tante Woo ?. Und für was steht der von Ihr ins Leben gerufene Verein Künstlerhilfe e.V.?

Wir durften hinter die laute und schillernde Figur Tante Woo blicken und uns mit einem interessanten und sehr ernsten Thema befassen.

Tante Woo, du bist noch nicht lange Wahl Hamburger . Was hat dich in diese Stadt verschlagen ?

Der Entschluss nach Hamburg zu ziehen, viel im Jahre 2012, nach Ausbruch meiner Bi-polaren Störung und einem längeren Klinikaufenthalt als auch der Job Verlust nach 14 Jahren als Leiter der Opernabteilung und des künstlerischen Betriebsbüros am Festspielhaus Baden-Baden.

Von Haus aus habe ich mehrere Berufe erlernt. Doch durch Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten und meiner Schauspiel als auch klassischen Gesangsausbildung habe ich immer in Jobs gearbeitet, die beides vereinbarten : Kunst und Management.

Bevor ich zum Festspielhaus nach Baden-Baden ging und noch in München lebte, war ich Mitglied des Extra Chores und free Lance Sänger für Chor an der Bayrischen Staatsoper für fast 10 Jahre.

2011 brach dann diese Krankheit durch verschiedene Faktoren, die alle auf einmal auf mich einstürzten aus und ich musste erst einmal ein Jahr pausieren. Anfang 2012 bekam ich dann das Angebot, bei der Hapag Lloyd Hamburg in der künstlerischen Leitung für die Kreuzfahrtschiffe Europa und Europa 2 zu arbeiten.

Leider war das wohl zu früh, denn ich wurde auf einer Kreuzfahrt , die ich betreute wieder schwer depressiv und die Geschäftsleitung und Kollegen, haben offen intern zu verstehen gegeben, das Sie mit solch einer Erkrankung nicht umgehen können und wollen und ich nicht mehr Leistungsfähig erschien. Daher hat man mich in der Probezeit gekündigt und zwar ohne Vorankündigung , am letzt möglichen Tag.

Damit stand ich nun wieder vor allen Trümmern und vor allem hoch manisch als auch depressiv.

Medikamente zu finden, die man verträgt und die einen den Alltag irgendwie bewältigen lassen , waren auch schwer zu finden und jede Umstellung auf ein neues Präparat war mit unglaublichen Schwankungen verbunden. Alles in allem eine schlimme Zeit.

Es wurde für mich immer klarer , das ich wahrscheinlich EU Rente beantragen musste, was ich aufgrund von 26 Jahren Berufstätigkeit in einem sozialversicherten Job dann auch getan habe.

Mit damals 45 Jahren in Rente zu gehen war kein einfacher Schritt, zumal dieser Schritt in meiner Lebensplanung nie vorkam. Aber mir blieb nichts anderes übrig. Man darf bei dieser Krankheit nie den Suizidgedanken vergessen, den ich auch bis heute immer wieder habe. Denn das Leben mit dieser Krankheit ist in langen Phasen die Hölle.

Als die Rente wie durch ein Wunder durchging, war ich erst einmal sehr froh darüber, mir wenigstens keine finanziellen Gedanken machen zu müssen. Dennoch bleibt immer die Angst vor einer Überprüfung und dem ausgeliefert sein von Gutachtern, und das ist meine Erfahrung, die sehr unterschiedlich psychische Krankheiten bewerten.

2013 saß ich nun zu Hause, völlig isoliert aber finanziell abgesichert. Nur das kann es ja nicht sein mit Mitte 40.

Diese Krankheit hat durchaus auch Phasen, wo man einigermaßen normal funktioniert. Und jeder Mensch braucht eine Selbstbestätigung von außen. Es langt nicht , wenn einem Bücher sagen, du bist richtig und vor allem du kannst noch was leisten.

Da ich schon immer Theater gespielt habe und mich dieses Genre Verkleidung und Drag Queen , wie man heute sagt, interessiert hat, begann ich mich mit diesem Thema intensiver zu beschäftigen. Ich hatte das Gefühl ich hab mal wieder eine Aufgabe.

Aber Theater spielen geht natürlich auch nur vor Publikum.

Ich habe in Hamburg eine Kneipe gefunden, wo mir der Besitzer ermöglicht hat, mal vor Publikum aus jux und dollerei zu spielen. Das habe ich gemacht und damit begann es.

Nach intensivem Nachdenken über die Figur und dem Sinn dieser Figur habe ich dann durch mein Wissen in Dramaturgie und Stückentwicklung Tante Woo entwickelt. Sie hat eine eigene Lebensgeschichte , die aber auch biographisches von Andreas Schmidt enthält.

Sie ist eine alte Opernsängerin, aussortiert, gemobbt und musste Ihre Weltkarriere von heute auf morgen liegen lassen. Sie musste Amerika verlassen und wieder nach Deutschland zurückkehren und dort von vorne anfangen. Da Sie mittellos ist , lebt Sie in einer Art WG mit Ihrer Freundin Hannelore , Ihrer Hausnutte Svetlana und Ihrem Analdildo Freddy in der Pornoreihe 17 in Hamburg und schlägt sich mit Ihrer Sachbearbeiterin Frl. Schneider vom Arbeitsamt rum, die Ihr Jobs verschafft für die Tante Woo eigentlich unterfordert oder überfordert ist. Also , Sie wird nicht von der Gesellschaft mit Ihrem Job und Ihrer Lebensleistung akzeptiert. Mittlerweile macht Sie eine Zusatzausbildung zur manisch-depressiven Drag Queen um sich mit diesem Wissen, noch weiter zu blamieren , aber vielleicht einen Bonus als behindert bekommt. ( So wie es in der realen Welt ja auch leider ist )

Irgendwie sind dann die richtigen Menschen auf mich aufmerksam geworden. Und da ich diese Geschichten mit Songs aus Musical und Oper verbinde und live singe, wurde die Nachfrage mehr.

Und dann habe ich in meinem Bühnenpartner Roman Grübner ( auf der Bühne Roman Who? ) eine Kombination, die es im Moment in der Travestie oder Comedy nicht gibt. Wir sind wie ein altes Ehepaar , aber optisch völlig verschieden. Er der junge schöne Mann, ich die völlig überzeichnete alte Diva. Und da wir beide Operngesang studiert haben, kommt da auch ordentlich was raus.

Wir scheinen zu gefallen.

Im Mai hast du den Verein Künstlerhilfe e.V. ins Leben gerufen, was war hierfür dein Ansporn?

Wenn man die Rente durch bekommen hat und wie ich auch privat vorgesorgt hat, dann kann man eigentlich sagen : So , ich werde jetzt einfach alt. Ich muss nichts mehr machen, lebe vor mich hin und muss mich nicht mehr aktiv an der Gesellschaft beteiligen.

Was das ganze System nicht berücksichtigt sind die Faktoren, das die Mehrheit der psychisch erkrankten Frührentner , das soziale Netz und die Integration benötigt, eine Aufgabe benötigt und weitere psychotherapeutische Hilfe benötigt.

Aber das muss alles aus Eigeninitiative passieren. Das ist für viele Menschen gar nicht möglich mit dieser Krankheit.

Auch ich befinde mich seit 3 Jahren in Abständen von zwei Wochen in Therapeutischer Behandlung, weil es wichtig ist für mich zu reflektieren und ich durch die Bi-Polarität jeden Tag ein Theaterstück spiele und Hilfe von außen haben muss, sonst drehe ich durch.

Nur Therapie in Deutschland ist eine Katastrophe. Erstens findet man kaum einen Platz, zweitens dauert eine Therapiestunde 45 Minuten und meistens findet das nur einmal die Woche statt. 45 Minuten ! Da hat man sich nicht mal warmgequatscht. Das ist völlig daneben.

Und wenn man Rentner ist, so wie in meinem Falle, will die Krankenkasse gar nichts weiter unternehmen, weil lieber die Menschen die dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen, gesund bleiben sollen.

Und das allerschlimmste Problem ist, das man, wenn man unbefristet berentet ist, als Künstler keine Möglichkeit mehr hat, auf die Bühne zu gehen.

Selbst ein Ehrenamt muss genau geprüft werden und ein Künstler lebt eben nun mal vom Publikum, weil er ein Produkt der Unterhaltung bietet.

Ich bin doch wegen meiner psychischen Erkrankung nicht tot. Ich bin nur eingeschränkt leistungsfähig und habe doch immer noch was zu sagen, oder aber auch zu zeigen. Das war mein Job. Das habe ich gelernt. Und die Selbstbestätigung von außen, ist bei einem Künstler nun mal der Applaus oder die Diskussion, die er mit seiner Arbeit anstößt.

Ich habe mir lange Gedanken gemacht und da ich die Rente nicht riskieren kann, habe ich den Gedanken mit dem Verein entwickelt, der im Mai 2016 nun gegründet wurde.

Der Verein heißt Künstlerhilfe e.V. , Verein zur Förderung psychisch kranker Künstler.

Um Spenden zu sammeln, gebe ich mit meinem Bühnenpartner ehrenamtlich Konzerte im Jahr und um auf dieses wichtige Thema aufmerksam zu machen und gegen die Stigmatisierung zu kämpfen.

Ich versuche mir eine sinnvolle Aufgabe zu geben, die mein streng geplanter Tagesablauf fast gar nicht hergibt, weil ich schnell müde und erschöpft bin , oder gar keinen Antrieb habe.

Was ist sind die Ziele des Vereins?

Er realisiert, das Künstler, die vielleicht in Rente sind, durch das Ehrenamt hin und wieder in der Lage sind, auf die Bühne zu gehen und ein paar Glücksmomente zu erleben.

Der Verein ist aber auch mildtätig tätig. Das heißt, das der Verein mit den gesammelten Spenden bei Mitgliedern die nachweisbar Künstler sind oder waren und eine psychische eindeutige Diagnose vorweisen können, vom Verein gefördert werden können. Das heißt : Übernahme von Teilen der selbst finanzierten Therapiekosten, die Reparatur eines Instrumentes, ein Kühlschrank…oder , oder.

Ebenso ist es ein wichtiges Ziel, ein Therapie Zentrum für Intensivtherapie zu eröffnen, um schnell therapeutische Hilfe zu leisten, ohne 2 Jahre auf einen Platz zu warten oder Hilfe bei Amtsgängen zu leisten, was in einer depressiven Phase oder manischen Phase für Menschen gar nicht zu leisten ist.

Der Verein möchte teilweise mit Heilpraktikern für Psychotherapie arbeiten und mit Psychologen, die schnell Hilfe leisten können.

Im Oktober gab es den öffentlichen Auftakt mit einer Benefizgala und vielen Unterstützern aus der Künstlerszene, wie geht es jetzt mit dem Verein weiter?

Am 27.10.16 fand nun das erste Benefizkonzert für den Verein Künstlerhilfe e.V. in Hamburg im Kukuun auf der Reeperbahn statt.

Durch mein früheres Leben, habe ich immer noch viele Kontakte zu namenhaften Künstlern, die dieses Projekt unterstützen und auch gerne bei einer solchen Benefizgala auftreten.

Die Resonanz war ergreifend. Da der Verein ja noch sehr jung ist, er noch nicht über die finanziellen Mittel verfügt um groß Werbung mit Plakaten zu machen, war dies nur auf Facebook veröffentlicht. Also Mund zu Mund Propaganda.

Das Konzert war voll. Und Uli Pforr, der bekannte Hamburger Pop Art Maler, hatte zwei Bilder extra für diesen Abend gemalt, die versteigert wurden.

Tante Woo ist Schirmherrin des Vereins und ich gehe auch innerhalb dieser Figur ganz offen mit meiner Krankheit um und erfahre sehr viel Wertschätzung, zumindest aus den Künstlerkreisen.

Allerdings machen viele Künstler auch gerne einen Bogen, wenn Sie gefragt werden, weil Sie denken, dann vermutet man bei Ihnen eine psychische Krankheit. Das ist natürlich quatsch. Aber bei HIV war das früher auch so. Wenn es dort eine Gala gab, dachten Menschen auch, da müssen jetzt nur HIV positive auf der Bühne stehen.

Es gibt als viel zu tun hier Resitiments abzubauen.

Nun konzentriert sich der Verein auf die Suche nach Unterstützern, Sponsoren, Förder- und Mitglieder um weiter wachsen zu können und Mittel für Förderung und Ausrichtung weiterer Konzerte zur Verfügung zu haben.

Das nächste Benefizkonzert ist in Planung. 

Liebe Interessierte,
Es gibt ein sehr gutes Kinderbuch, welches sich mit dem Thema Depression beschäftigt. Es heißt der SCHWARZE HUND. Eine wunderbare Metapher, die ich gerne einmal aufgreifen möchte. Denn durch Metaphern ist es am ehesten zu beschreiben, was mir durch den Kopf geht. 

Zunächst einmal muss gesagt werden, das es zwar eine Stufeneinteilung gibt, wie der Schwarze Hund zubeißt. Das kann von leicht bis schwer gehen. Doch das verrückte und nicht nachvollziehbare für die soziale Umwelt, sind die verschiedenen Möglichkeiten und Varianten , wie er erscheint. 

Da ich ja schreibe, kann ich mich auf nur auf mich beziehen. Verallgemeinern wäre töricht. Denn das genau ist ja das Geheimnis an Psyche. Es ist eben kein Tumor, der rund ist, wächst oder zerfällt durch eine kollektive Behandlungsmaßnahme. Der schwarze Hund heißt bei jedem Betroffenen anders. Und er lässt sich eben NICHT durch eine einheitliche Behandlung vertreiben. Jedes Mal muss ein neuer Zugang gelegt werden und jedes Mal entstehen andere Bilder, Vermutungen und Rückschlüsse. 

Bei mir beginnt es immer mit einem langsamen Rückzug. Ich stehe abends am Fenster und denke : ach geh ein Bier trinken. Im selben Moment steht er vor meiner Tür. Versperrt diese und lässt mich nicht durch. Ich sage mir : Du wirst Dich nicht erschrecken lassen, nein, das lässt du dir nicht nehmen. Aber er steht dort und weicht keinen Zentimeter zurück. Ich bleibe zu Hause. Denke mir, naja, ein schöner Abend. 

Aber : ich gebe meinem Impuls mich unter Menschen zu begeben nicht mehr nach. Er erstickt diesen Wunsch im Keim. 

Wut macht sich breit. Es kommen Bilder hervor, Gefühle , die ich als Kind gefühlt habe, wenn ich den gleichen Impuls hatte und man es mir verbot, das Haus zu verlassen. Man möchte am liebsten durch die Wand und man weiß zusätzlich dazu, NIEMAND verbietet es mir , nach draußen zu gehen. Aber diesmal ist es der schwarze Hund. Etwas was nicht real ist und zugleich doch real. 

Ab dem Zeitpunkt , wo er nicht mehr nur an der Haustür steht, sondern sich auch in meine Zimmer ausbreitet und die Dominanz übernimmt, weiß ich, das ich meine Umwelt, also meinen Mann davon in Kenntnis setzten muss. 

Der weitere Verlauf ist : schnelle Erschöpfung, Lustlosigkeit, Wut, Verzweiflung und Gedanken, die rasen. Da ich von Kind auf schon schlecht höre, verstärkt sich dies nun. Ich nehme wahr , das Menschen sprechen, aber ich verstehe nur noch die Hälfte an Vokalen. Das bedeutet letzten Endes, das ich nicht mehr nach draußen gehe, weil jedes Geräusch mich anstrengt und Sprache mich in Panik versetzt, weil ich mich zu sehr konzentrieren muss um zu reagieren. Damit hat er gewonnen: Er versetzt mich körperlich in einen Schockzustand. Kein Entkommen mehr. 

Je öfter ich solche Phasen durchlebe, bemerke ich, das ich künstlerisch alles umsetze was sich mir bietet. Ich flüchte mich in meine Garten Eden Phantasie und versuche mich dort von der Dominanz des schwarzen Hundes abzugrenzen. Doch auf mich hat schon immer die Auseinandersetzung des schwarzen mit dem Garten Eden eine unglaubliche Faszination ausgeübt. Ich bin mittlerweile der Ansicht, das das eine nicht ohne das andere geht. 

Daher bemühe ich mich in solchen Phasen künstlerisch mit dem Thema auseinanderzusetzen. Den schwarzen Hund ad absurdum zu führen. Das kostet allerdings eine Menge Kraft. Und durch die immer wiederkehrende Müdigkeit und Erschöpfung bekomme ich Ihn nur langsam in den Griff. 

Am liebsten möchte ich schreien. Mich auf die Strasse stellen und sagen: seht Ihr nicht, wie ich leide. Im nächsten Moment denke ich : Stell Dich nicht so an. Es gibt so viele Krankheiten auf dieser Welt, die schlimm sind und die Menschen in völlige Verzweiflung führen und Ihre Umwelt dazu. Was also dramatisierst Du das. 

Jeder Mensch muss sich projizieren auf seine Umwelt. Das geschieht täglich. Wir übertragen unsere Einstellung auf andere. Da ist die Kollegin, die Ehekrach hat und Ihre Wut auf eine andere Kollegin überträgt. Diese wiederum überträgt Ihre Machtlosigkeit sich gegen die Kollegin zu wehren, auf eine andere, usw. 

Ein gesunder Mensch, kann solche Situationen aber durch das vorhandene Ur Vertrauen und durch unsere Gabe, Dinge sehr schnell zu relativieren, schnell und effizient verarbeiten. Der Frust der Kollegin kommt zwar an , erhält aber kein Gewicht, das die Gefühlswaage ins Ungleichgewicht bringt. Und wenn, dann minimal. 

Anders ist es bei Menschen wie mir. Ich vertraue nicht, fühle mich schuldig das ich nicht helfen könnte, fühle mich als Fremdkörper und denke, Du hast etwas falsch gemacht, das andere Menschen dich so behandeln. Der schwarze Hund erscheint und bellt mir zu : Du hast es nicht anders verdient. 

Oben genanntes ist ein Beispiel. Ich wurde erzogen, das Fehler die ich mache immer bei mir liegen. An MEINEM Verhalten, an MEINER Meinung , etc. Ich kann mich zwar wehren, aber ich habe immer ein schlechtes Gewissen danach. Ich suche nach meinen Fehlern. Jegliche Abgrenzung wurde früher als Fehler meinerseits bewertet und nicht mit Unterstützung, selbst wenn es wirklich ein Fehler gewesen wäre. Das ist Teil eines Ur Vertrauens, das wir nicht bei Geburt mitbringen, sondern lernen müssen. Und das Selbstbewusstsein programmiert sich. Es ist nicht zu überschreiben. Und genau da fängt für die Umwelt eine schwierige Auseinandersetzung an. 

Sätze wie : Du musst Dich anstrengen oder jetzt mach mal nicht aus einer Fliege einen Elefanten, oder schlimmer , was reitest du immer auf diesem Thema herum, belastet mich noch mehr , als man erahnen kann. 

Denn meine Entwicklung meiner Persönlichkeit ist abgeschlossen. Die Festplatte ist geschrieben. Es gibt kein Programm mehr, diese zu löschen. Jedes Ereignis, noch so banal wird mit einem Programm an erlernten Situationen verglichen. Und es wird auf die Situationen zurückgegriffen, die man bereits 100000 Mal in bestimmten Situationen erwidert hat. 

Warum z.B. müssen wir , wenn wir älter werden, unsere Fähigkeit neue Dinge zu erlernen trainieren? Warum fällt uns das erlernen einer neuen Sprache nicht mehr so leicht, wie noch vor 20 Jahren. Warum verhalten wir uns nicht einfach mal anders , verständnisvoller oder verändern unser Leben , wenn es nich mehr passt. Weil die Programmierung nicht oder sehr schwer umzuschreiben ist. 

Und auch der SCHWARZE HUND ist letzen Endes ein Programm. Aber in den Momenten in denen er erscheint , ein sehr reales. Heute würde man Reality Programm dazu sagen. 

Glaubt mir: Ich arbeite sehr hart daran, neue Programme zu entwickeln. Aber ich habe auch Angst. Angst , was passiert wenn ich nochmal 10 oder 15 Jahre älter bin. In meiner Familie spielt das Thema Depression eine familiengeschichtliche Rolle. Ich habe manchmal Angst , das ich wirklich merkwürdig werde. Das ich es in 10 oder 15 Jahren nicht mehr schaffe, den SCHWARZEN HUND zu besänftigen. 

Ich habe viele Kollegen erlebt, denen es mit zunehmendem Alter genau so ergangen ist. Die sich nicht getraut haben, den Weg in die Rente zu nehmen, zu einem Zeitpunkt wo es noch hilfreich gewesen wäre. Kollegen, die auch heute noch leiden, weil dieses Programm SCHWARZER HUND auf einem gesellschaftlichen Index steht. Und da wären wir bei dem Thema , das der SCHWARZE HUND genau wie Krebs oder andere Krankheiten , lebensbedrohlich wird im Alter. 

Ich als Künstler , sehe den Tod als Schlaf, als Entspannung und als ein glückliches Gefühl , das meine Festplatte dann nicht mehr funktionieren muss. Das kein Programm mehr auf ein anderes zurückgreift. Nennen wir es Verklärung. Auch für mich ist und bleibt dies eine Option, wenn auch eine traurige und gesellschaftlich geächtete. Doch man MUSS es erwähnen. Zuviel Suizide habe ich schon erlebt. 

Ich schreibe diese Zeilen um zu sensibilisieren. Ihr lieben gesunden Menschen, Ihr werdet gebraucht um unser reales Programm des SCHWARZEN HUNDES als Spiel zu interpretieren. Ihr werdet gebraucht um uns in unseren Spielpausen ein Vorbild zu sein , was ein Leben ohne diese Sucht bedeutet. Und Ihr werdet dazu gebraucht uns einzubetten in ein Meer von funktionierenden Festplatten. 

Wir können einander eine Menge geben, uns zum Nachdenken anregen und Impulse zu setzten. Wir brauchen Euer Verständnis und und Eure Energie , Wege zu finden für diesen SCHWARZEN HUND einen Virus zu finden, um Ihn zu kacken.

Auf mich als Künstler bezogen, kann der Virus nur die Kunst sein. Und vielleicht entstehen in genau diesen Momenten grossartige Dinge. Vielleicht ist das auch das Geheimnis von Kunst. Wer weiß das schon. 

Ihr funktionieren Festplatten : Schaut Euch die Menschen genau an. Ihr könnt eine Menge dazu beisteuern, das unser SCHWARZER HUND hin und wieder satt an schlechten Gedanken, faul in der Ecke liegt und schläft, bis er wieder erwacht. Und wenn Ihr Ihn seht, dann und Ihr bemerkt, das er wieder Stellung bezieht, verzeiht mir und seid mir im Geiste die Armee , die ich sozial brauche um dieser immer wiederkehrenden Gefahr die Stirn zu bieten. 

Eure stets dankbare Tante Woo . 


Liebe Interessierte, liebe Mitglieder, liebe Follower, 

Euch und Euerm teilen der vielen Artikel hier auf dieser Seite ist es zu verdanken, das der Verein immer bekannter wird und man beginnt über das schwierige Thema weiter zu sprechen. 

Auch ich als Schirmherr versuche meinen bescheidenen Beitrag zu leisten um die Wirtschaftlichkeit weiter zu gewährleisten. Denn wir sind glücklich, bereits die ersten Mitglieder offiziell fördern zu können. Das macht uns sehr stolz. 

Ebenso arbeite ich an einem Konzept zur Errichtung einer Kulturbühne in Hamburg , wo ich bereits intensiv mit Politik und Kultureinrichtungen in Verbindung stehe. Meine Kontakte aus meinem ehemaligen Leben im Kulturbereich als Manager erweisen noch einmal einen guten Dienst. 

Der Sommer ist nun endlich da und damit auch die zweite Halbzeit der Konzerte zu denen Roman Who? und Tante Woo eingeladen sind um weiter Spenden zu generieren und im Ehrenamt zu informieren. 

Als nächstes steht eine weitere Einladung auf der AIDA an. Wir freuen uns sehr. 

Roman Who? und Tante Woo sind offizielle Schirmherren des CSD Magdeburgs. Auch hier werden wir einen Auftritt haben und neben den wichtigen Themen der Gleichberechtigung auch über unsere Arbeit berichten. Wir setzten uns auch gerne für andere Themen ein. 

Am 29.07.17 findet die persönliche Hommage an UDO JÜRGENS im Kukuun statt. Der Eintritt von 20EUR fließt direkt an die Künstlerhilfe e.V. Wer noch nichts vor hat sei herzlich eingeladen und das Konzert findet zeitgleich zur PRIDE WEEK Eröffnung in Hamburg statt. 

Tickets unter : 

https://www.eventbrite.de/e/live-merci-cherie-udo-tante-woo-und-roman-who-singende-hommage-tickets-32890443201?utm-medium=discovery&utm-campaign=social&utm-content=attendeeshare&aff=escb&utm-source=cp&utm-term=listing

Danach wird am 06.08.17 die Hauptbühne des CSD geentert. Seid herzlich eingeladen. 

Im September werden Roman Who ? und Tante Woo an einem geheimen Ort ein neues Programm entwickeln. 

Ebenso wird im September in Berlin-Brandenburg das Kinder Mittelalter Festival stattfinden, das der Verein offiziell als Veranstalter für Kultur durchführt. Wir freuen uns sehr über das Engagement und Entgegenkommen der Behörden vor Ort, der evangelischen Kirche und freuen uns Kindern eine tolle Zeit zu bieten und über unser Thema informieren zu können. 

Im Oktober stehen dann Gastspiele in Köln als auch in der Kulturvilla Mettmann an. Wir freuen uns sehr. 

Am 28.10.17 findet dann im Kukuun das große Benefizkonzert zum einjährigen Bestehen des Vereins statt. Es haben schon wunderbare Künstler zugesagt. Seid gespannt. 

Am 25.11.17 findet dann das alljährliche Konzert in der berühmt berüchtigten Contact Bar statt. Ein Termin den man nicht verpassen sollte. 

Im Dezember setzten wir die Arbeit auf der AIDA fort um dann am 24.12.17 im Special der Schmidt-Mitternachtsshow in Schrille Nacht Euch alle in ein gutes neues Jahr zu verabschieden. 

Wir möchten zur Halbzeit schon mal Danke sagen und würden uns freuen, wenn Ihr den Verein und das Thema weiter so wunderbar diskutiert und unter die Menschen tragt. 

Durch die Förderungsmöglichkeit und den Kulturauftrag des Vereins haben wir in zwei Fällen schon für eine wesentliche Verbesserung sorgen können. 

Bitte schaut auch auf der Web Seite www.kuenstlerhilfe-ev.de , die alle Termine beinhaltet. 

Eure stets dankbare Tante Woo und Roman Who? 


Liebe Interessierte, 

heute möchte ich hier einmal auf verschiedene Punkte eingehen, die Künstler , ohne das frühkindliche Psychosen und Störungen vorhanden sind, trotzdem depressiv machen können. 

Es beginnt eigentlich schon damit, dass das Wort Künstler kein geschützter Beruf ist. Genau so wenig wie ein Schauspieler , Sänger, Maler etc. 

Jeder noch so unbegabte Mensch, der auf einer Bühne steht und singt, tanzt, spricht, oder malt , etc. darf sich Künstler nennen und es sind keine Nachweise erforderlich, das dieser Beruf tatsächlich studiert wurde oder ein Abschluss vorhanden ist. Laien können jederzeit eine Bühne betreten ohne einen Abschluss nachweisen zu müssen. Man bedenke bitte, ich kann in keinem Handwerksberuf anfangen ohne nicht den dafür vorgesehen Abschluss zu haben. Das wäre a) strafbar und b) undenkbar. Ergo könnte ich mich nicht Friseur nennen und einen Laden aufmachen. ( Ein Beispiel). 

Ein Mensch, der sich dazu entscheidet eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen, hat am Beginn der Tätigkeit ( ich spreche jetzt nicht von Karriere ) meist einen großen Enthusiasmus und muss bei Aufnahme an einer staatlichen Hochschule in der Regel über eine wirkliche Hochbegabung verfügen. Ein Sänger muss nicht nur singen können um eine Prüfung zu bestehen, sondern mindestens zwei andere Instrumente spielen können auf sehr hohem Niveau, muss über Grundkenntnisse in Musiktheorie und Tonsatz verfügen und es muss erkennbar sein, das durch die Ausbildung eine Weiterentwicklung der Stimme und der Persönlichkeit zu erkennen ist. Ganz zu schweigen von Gehörbildung. 

Ähnlich verhält es sich mit Schauspielern und anderen Berufen. 

Ebenso wissen Menschen, die eine künstlerische Laufbahn einschlagen, das die Besuche beim Arbeitsamt , der Bezug von ALG1 und Hartz 4 und vielleicht auch Grundsicherung zu den Grundinstrumenten des Lebens gehören und sollten daher eine große physische Belastbarkeit oder auch psychische Belastungen verfügen. Denn Arbeitslos oder gar Abhängig vom Staat zu sein grenzt oft aus. Von den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen des Arbeitsamtes ganz zu schweigen. Hier beginnt meist schon die erste mittlere bis schwere Depression. Denn es passiert immer öfter, das ein ausgebildeter Sänger, Schauspieler etc. durch Druck der staatlichen Stellen nicht mehr in diesem Beruf arbeiten kann oder sich mit Ruhe auf Vorsprechen oder Vorsingen vorbereiten kann. 

Ein studierter oder auf einer privat Schule ausgebildeter Mensch, hat mindestens 6 Jahre studiert und gelernt. Technik, Muskeln bewegt die andere Menschen gar nicht kennen, kann Noten lesen, Texte interpretieren, verfügt über ein hohes Maß an Intellekt und wendet auf einer Bühne kein Bauchgefühl an sondern ist sich seiner Wirkung und seiner Technik bewusst, eine Figur zu entwickeln, diese zu spielen ( es ist nicht er ) und Menschen damit eine perfekte Illusion von Gefühlen und Momenten zu faszinieren. 

Ebenso muss er der Tatsache ins Auge blicken, das er , sollte er an einem festen staatlichen oder privaten Theater engagiert sein, jeder Zeit rausfliegen kann ( deshalb gibt es immer nur 1 Jahres Verträge ) oder bei einem Intendantenwechsel. Danach schließt sich ( nicht bei allen, aber bei vielen ) die Arbeitslosigkeit an. 

Kunst ist heute grundsätzlich nichts mehr wert. Die Gesellschaft schätzt es nach wie vor unterhalten zu werden, aber eher von Laien als von Profis. Warum ? Weil Sie billiger sind und in Massen für schlechte Unterhaltung zur Verfügung stehen. 

Ich erlebe das im Travestie Bereich im Moment am Besten. 

Dazu muss ich erklären, das die Figur Tante Woo eine Therapeutische Figur ist und bleibt und der Fummel ( wie man so schön sagt ) nur Mittel zum Zweck ist. Er verschafft mir auf der Bühne ein anderes Instrument an Sprache und Gesang. ( Auch das ist bei jedem Menschen anders ). Aber ich schmeiße mich nicht in Kostüm und Maske weil ich Laune dazu habe , sondern weil ich versuchen möchte, mit der Ausbildung die ich über 6 Jahre genossen habe und meiner über zwanzig jährigen Bühnenerfahrung , Menschen zu erreichen, die weder betrunken sind, noch Partyvolk sind bzw. mit Veranstaltern zu arbeiten, die sich bewusst sind, das Qualität durch Professionalität erreicht wird und nicht durch eine Hobbylaune. Abgesehen davon spiele ich noch 3 andere Musikinstrumente und kann auch musiktheoretische Abhandlungen schreiben. 

Künstler müssen depressiv werden, da Ihre Leistungen von Laien heute nicht mehr abgegrenzt werden, Sie sich Anfeindungen ausgesetzt sehen ,wenn Sie dies öffentlich kund tun und sich von Laien sagen lassen müssen, was Sie besser zu machen haben. Denn man muss klar sagen, das die Masse an Laien in dieser Sparte in den letzten Jahren enorm zugenommen hat und gerade in der Travestie ( Es könnte auch eine andere Sparte sein, nur liegt die Travestie gerade in meinem Wirkungsbereich ) . Die Travestie als Unterhaltung wird heute immer noch als eine der wenigen Zirkusnummern im Unterhaltungsbereich gehandelt, denn Männer in Frauenkleidern sind noch nicht bis in das letzte Dorf in Deutschland vorgedrungen. Es gibt immer noch sehr viele, die sowas noch nie in Ihrem Leben gesehen haben. Doch um Akzeptanz für diese Kunstform zu erwerben braucht man ein Handwerk. Und das Handwerk heißt nicht Kleid, Perücke oder Schminke. Sondern Handwerk in musizieren, Schauspielern oder , oder. Gerade in der Travestie ist oftmals ein Niveau erreicht, über das man gar nicht mehr schreiben kann, weil es kein Wort dafür gibt. 

Ausgebildete Menschen müssen daher, weil Sie evtl. gar nicht überleben können ( und dazu gehört die Masse ) und sich keinen Agenten oder Menschen leisten können, der Ihnen das Marketing abnimmt ( im übrigen ist das auch ein geschützter Beruf ) mit sehr vielen unangenehmen Dingen wie Kaltaquise, schlechter Technik bei Auftritten, sehr niedriger Gage ( die in keinem Verhältnis zur Ausbildung steht, für Laien angemessen wäre ) auseinandersetzten. Und Sie müssen meistens noch irgendwo anders arbeiten und können sich dann eben nicht mehr vorbereiten, lernen, singen üben, sich die Kraft holen, die man auf einer Bühne braucht. 

Die Argumentation vieler Kommentare die ich lese heißen : Naja, es gibt viele Menschen die mehrere Jobs haben. Ja, das stimmt. Aber der Job eines Sängers ist singen. Das ist Hochleistungssport. Genau wie der des Schauspielers. Das muss trainiert werden. Aber in einer Selbstständigkeit wird so etwas nicht bezahlt. Ein Mensch der auf einer Bühne steht muss Texte AUSWENDIG lernen. Und nicht nur 2 Seiten. Sondern 50 und mehr. Und er muss es behalten. Jederzeit abrufbar. 

Ich habe lange über diesen Zustand nachgedacht. Ich finde, das jedermann, der unterhalten kann und seine Zielgruppe findet einen Platz hat. Dennoch finde ich muss man unterscheiden zwischen Laie und Profi. Es ist beschämend, das sich Profis unter das Licht von Laien stellen müssen. Sich Ratschläge erteilen lassen müssen über Ihren eigenen Beruf. 

Und singen ist nicht gleich singen. Oder Schauspielern ist nicht gleich Schauspielern. Es gibt gravierende Unterschiede. 

Depression entsteht nicht nur durch Störungen , die in der Kindheit aufgetreten sind. Nein, Depressionen entstehen auch, wenn man das Gefühl bekommt, das Arbeit die man leistet nicht wertgeschätzt wird, nicht anständig bezahlt wird und das man von Ämtern zu hören bekommt : Hätten Sie doch was anständiges gelernt. 

Nur : Ein studierter Künstler hat etwas anständiges gelernt und viel Zeit , Begabung und Geld investiert um das zu tun, was für Ihn der geeignete Beruf ist : Künstler. 

Wenn also die Veranstalterbranche weiter so fahrlässig um kein Geld zu bezahlen, Menschen einkauft, die schlecht unterhalten ( weil Sie es nie wirklich gelernt haben ) , sich an unseren Theater und Opernstrukturen nichts ändert und Ämter und Verantwortliche keine Akzeptanz für die Wertigkeit von hart erarbeiteter Kunst zur Unterhaltung entgegenbringen, wird das Thema Depressionen in diesem Beruf weiter zu nehmen. 

Warum ich das nun schreibe. Erstens erlebe ich es in meiner ehrenamtlichen Arbeit im Moment auf der Bühne und in der Abwicklung und zweitens bin ich gelernter Profi und der Verein Künstlerhilfe e.V. ist auch dafür da, solche Zustände zu benennen, anzuzeigen und aufzuzeigen und sich dafür einzusetzen, das Künstler durch diese Diskriminierungen nicht an Stand, Ehre verlieren und Ihre Arbeit wertgeschätzt wird. 

Ich sehe es als meine Pflicht, mich mit den Verantwortlichen auseinander zu setzen um Prävention zu einem anderen Denken anzuregen und Künstler vor Depression und größerem Schaden zu schützen. 

Es ist ein hart erlernter Beruf und keine Nebenbeschäftigung , die als Hobby fungiert. 

Und nein: Diese Gedanken sind allgemeine Realitäten und haben keinen Zusammenhang mit meiner Kunstform oder unmittelbaren Erlebnissen. 

Eure stets dankbare Tante Woo 

Liebe Interessierte, 

ich hoffe es geht Euch allen gut. 

Hier mal wieder ein kleiner Rückblick und Ausblick auf die Arbeit des Vereins. 

Im letzten Viertel Jahr konnte der Verein wieder interessante Projekte anschieben und Kontakte knüpfen. 

Tante Woo und Roman Who? konnten aufgrund der Einladung auf die AIDA im Juni neue Mitglieder gewinnen, die sich sehr interessiert an dieser Arbeit zeigten und mit denen wir ganz wunderbare Gespräche hatten. Es gab zwei Ehepaare, deren Kinder selbst an psychischen Erkrankungen leiden und die sehr dankbar waren, das wir für dieses Thema Aufklärungsarbeit leisten. 

Die Arbeit mit der AIDA Flotte wird fortgesetzt und wir sind sehr dankbar hier einen Partner gefunden zu haben, der unsere Arbeit unterstützt. 

Des Weiteren konnten wir neunen Mitgliedern bereits mit Förderung und auch Vermittlung von Therapiestellen helfen. In zwei Fällen konnte Schlimmes verhindert werden und wir sind sehr stolz, das wir mittlerweile bekannter sind um entsprechend Spenden und Mittel für den Verein und die Förderung regelmäßig zu generieren. 

Wir haben von der Hamburger Vereinigung “ DIE FAMILIE TUT WAS “ eine Spende von 500 EUR erhalten wofür wir uns recht herzlich bedanken. 

Am 29.07.17 veranstaltete der Verein das erste mal eine eigene Veranstaltung mit einem Udo Jürgens Abend im Kukuun und wir konnten mehr als 80 Gäste begrüßen. Das ist ein erster richtiger Schritt in die richtige Richtung. 

Ebenso waren wir Gast auf dem Hamburger CSD und konnten so fast 250 Menschen erreichen. Denn es ist mir persönlich auch immer ein Bedürfnis , die Menschen von der Bühne aus aufzuklären , was für eine Arbeit wir tun. 

Was passiert im nächsten Viertel Jahr ? 


Im September wird der Verein in Brandenburg tätig. Wir veranstalten ein Mittelalterliches Kinderfest, weil wir uns a ) auch in der Jugendarbeit engagieren möchten und b) weil wir damit auch Künstler aus Artistik und Handwerk integrieren können. Wir sind sehr auf die Reaktion gespannt. 

Am 15.10.17 veranstaltet der Verein eine Benefizveranstaltung im Amadeus in Köln. Wir folgen damit einer Einladung und werden mit den Kölner Stars der Kleinkunstszene zusammen auftreten. 

Am 28.10.17 findet unsere nächste Benefizgala im Kukuun auf der Reeperbahn statt. Mit dabei sind unter anderem Robert David bekannt aus dem Phantom 2 und Sarah Mätbörg bekannt aus Ihrer Show im Schmidtchen. Des Weiteren dürfen wir einen internationalen Superstar begrüßen, den wir in den nächsten Wochen bekannt geben werden. 

Am 11.11.17 sind wir in der Kulturvilla in Mettmann eingeladen und freuen uns sehr auf einen Abend mit Udo Jürgens für Alle Abend. 

Am 25.11.17 sind wir mit unserem Abend: Tante Woo und Roman Who? singen depressive Lieder in unserem Wohnzimmer und Lieblingsbar der Contact Bar in St. Georg. 

Danach dürfen wir einer Einladung auf die AIDA folgen um dann am 24.12.17 in der Schmidt Mitternachtsshow Weihnachtsspecial SCHRILLE NACHT auftreten zu dürfen. 

Weiterhin eröffnen sich gerade interessante Kontakte in die Politik und wir sind gespannt ob wir den Wirtschaftsminister aus Schleswig Holstein auf unserer Benefizgala am 28.10.17 im Kukuun begrüßen dürfen. Es wäre uns eine Ehre. 

Wir sind weiterhin in Schleswig Holstein für den Tag des Ehrenamtes als Künstler vorgeschlagen und sind gespannt , ob wir dieser Einladung folgen dürfen. 

Ich möchte es natürlich nicht versäumen allen aktiven und passiven Mitgliedern zu danken , die uns mit Ihrem jährlichen Beitrag weiter so wunderbar unterstützen. Wir sind bereits bei 25 Mitgliedern in einem Jahr, was eine Menge ist, da wir noch nicht genügend Mittel für Werbung und Informationsmaterial zur Verfügung haben. Aber das wird sich hoffentlich bald ändern. Step by Step. 

Unsere Homepage www.kuenstlerhilfe-ev.de bietet die Möglichkeit sich weiterhin über den Verein zu informieren als auch die notwendigen Formulare um Mitglied zu werden. 

Ebenso dürfen sich bundesweit Künstler bei uns bewerben, die im Namen des Vereins gerne Benefizkonzerte durchführen dürfen. 

Ich wünsche Euch Besuchern und Abonnenten dieser Seite einen wunderschönen Tag, eine gute Zeit und werde bald wieder über die spannende und interessante Arbeit berichten. 

Eure stets dankbare Schirmherrin 

Andreas Schmidt alias Tante Woo 

Liebe Interessierte 

ich habe mich dazu entschlossen, hier in regelmäßigen Abständen über Fragen an mich, die zu meiner Krankheit entstehen und die mir oft gestellt werden, zu berichten. Ich freue mich, wenn sich der eine oder andere darin wieder findet oder aber neue Denkanstöße entdeckt, als auch über Unverständnis. Denn alles das ist menschlich. 

Die Frage , die ich letztens in der Kneipe hörte : 

“ Sag mal Andreas , warum fühlst Du dich eigentlich krank, wenn es oft nicht so aussieht ? “ 

Die erste Reaktion von mir : Wie antwortet man auf so etwas? Denn , ja, es gibt ja wirklich Phasen in denen es mir etwas ausgeglichener geht. Aber diese können auch schnell vorbei sein. 

Entscheidend ist erst einmal : Wenn ich aus dem Haus gehe, mich unter Menschen begebe und fröhlich und ausgeglichen wirke, dann befinde ich mich tatsächlich in einer sehr ausgeglichenen Phase. ABER und das ist wichtig : Die schlimmen Phasen oder ganz schlimmen Phasen bekommt die Umwelt nicht mit. Der einzige der mich in solchen Situationen sieht, ist mein Mann. 

Für Außenstehende scheint es also normal. Auch das Zeitgefühl spielt eine Rolle. Man rechnet ja nicht nach, wie oft man sich in einer Woche getroffen hat, denn die Beziehung zu diesem Menschen in der Kneipe z.B. ist eine temporäre und vor allem keine intensive Zeit. Das wäre anders, wenn man tatsächlich täglich in Kontakt stehen würde und oder zusammen leben würde. Daher spielt hier eine subjektive Wahrnehmung eine große Rolle. 

Mein oftmals grosses Problem : Ich habe das Gefühl ich muss mich a) rechtfertigen über den Tatbestand meiner bi-ploaren Störung als auch b ) dass ich überhaupt am Leben versuche teilzuhaben. Das bringt mich oftmals in einen Sofort Trigger, der mich meistens tagelang mit Selbstgesprächen beschäftigt. 

Man kann eine psychische Störung objektiv an Symptomen erklären. Tut man das , klingt es aber so, als müsste man sofort in eine Klinik eingewiesen werden und vor allem unter Sicherheitsverwahrung. 

Allerdings versucht man es eher subjektiv und damit kann man sich in ein großes Dilemma reden. Denn eine psychische Störung ist das Ergebnis aus vielen Faktoren, die irgendwann zusammengelaufen sind, eigener Disposition, eigenen Erfahrungen und vor allem immer und das betone ich oft, immer individuell. Abgesehen das man darüber einen Vortrag bis zum jüngsten Gericht halten könnte. Sprengt also jede Kneipenunterhaltung ( mal am Rande ) 

Psyche ist kein Tumor, den man sehen und anfassen kann. Den man verständnisvoll mit Chemo behandeln kann und wo aussenstehende signalisieren: Oh mein Gott, wie schrecklich. Hoffentlich wird alles wieder gut. Du schaffst das , dabei aber auch sicherlich oft denken und wissen : Geht eine Chemo schief und hat Krebs gestreut, dann wird dieser Mensch wahrscheinlich sterben. Damit ist es , steht einem dieser Mensch nicht wirklich nahe, auch meist erledigt. 

Im Falle einer psychischen Krankheit, gibt es erst einmal meist nichts zu sehen ( was nicht stimmt ) , gibt es Medikamente die gesunden Menschen Angst machen, weil sie suggerieren, das man ruhig gestellt wird, damit es nicht zu gefährlichen Situationen kommt. Und die Erkrankung für gesunde Menschen in den meisten Fällen keine lebensbedrohliche Situation erkennbar ist. 

Auf mich bezogen muss ich dann sagen : Ja, mein Lieber, nach außen hin wirke ich heute normal. Aber ich muss immer auf der Hut sein, das ich keinen Trigger der Stufe 3 ( meine persönliche Einstufung ) erlebe, der meine Persönlichkeitsstruktur in Sekunden ändern lässt. Ich fühle mich immer nicht richtig in meiner Situation, weil ich bei anderen Menschen eine Energie erkenne, die ich so nicht mehr habe. Ich fühle mich oft nicht richtig, weil ich keinem Job mehr ausübe und mich über diese Dinge , wie Kollegen, Schwierigkeiten als auch normale Belanglosigkeiten unterhalten kann. Ich muss immer damit rechnen, das mir ein Mensch in Unbedachtheit sagt : Es ist doch schrecklich nicht mehr zu arbeiten. ( Ja, das ist es in manchem Momenten in der Tat) . Ich muss immer aufpassen, keinen Alkohol zu trinken , da es kontraproduktiv ist mit Medikamenten. Tue ich es, bekomme ich am anderen Tag eine gepfefferte Rechnung präsentiert. 

Ich muss mich sehr oft zwingen, überhaupt das Haus zu verlassen und um mich unter Menschen zu begeben. Ich verbringe manchmal Tage nur zu Hause und bekomme mich, nur aus Kleinigkeiten die mir durch den Kopf gehen nicht gewaschen , geschweige denn zu aktiven Handlungen bewegt. 

Und was das Lebensbedrohliche angeht: Psychisch erkrankte Menschen sind immer auch Suizid gefährdet. Der innerliche Druck, die Erschöpfung in psychischen Dingen, die Schuldgefühle und die Selbstzweifel , bringen mich oft auf den Gedanken, hoffentlich ist mal alles schnell und bald vorbei. Ich weiß und sage das oft, das ich hoffe, kein hohes Alter zu erreichen, da ich nicht glaube, das es im älter werden besser wird. 

Um zum Ausgangssatz zurückzukommen : Ich antworte meistens mit der Gegenfrage : Woher weißt Du , das ich mich gerade krank fühle und wie sieht, Deiner Meinung nach, das Wirken aus? 

Ich habe für mich nach einigen Jahren Erfahrung mit dieser Krankheit gelernt, das die Umwelt nur bedingt fähig ist , mich in Gänze zu verstehen. Das ist kein Vorwurf , sondern eine menschliche Sache. Man muss nicht alles verstehen. 

Schwieriger ist der Umgang, wenn andere Menschen neugierig sind, weil Sie diese Situationen nicht kennen, aber aus Ihrer gedanklichen Komfortzone nicht herauskommen. 

Ich lerne gerade, mich nicht mehr zu rechtfertigen bzw. ein Gefühl zu entwickeln. Ich bin an diesem Abend in einer Kneipe, versuche die Stimmungen zu genießen und mich nicht schlecht zu fühlen, wenn ich nach einer Stunde oder auch weniger, wieder gehe. 

Es ist ein Teilhaben mit all meinen Schwierigkeiten , die mich zwar zu einem kranken, aber nicht, nicht gesellschaftsfähigen Menschen machen. 

Ich wünsche Euch allen eine spannende Zeit. 

Euer stets dankbarer Andreas / Tante Woo

Liebe Interessierte, 

heute möchte ich mich einer Frage eines Lesers widmen, die mir oft gestellt wird : 

“ Ist die Frührente nicht eine Belastung und ist das nicht schrecklich? Das ist doch nicht normal “. 

Als Einleitung zu weiteren Erklärungen muss ich sagen, das ich diese Aussage oft höre und Menschen große Augen machen, wenn sie hören, das ich in Erwerbsunfähigkeitsrente bin. Ebenso sieht man sofort, das man in eine Schublade gesteckt wird, die mich erschreckt und in mir sofort das Gefühl auslöst, das ich mich für diese Tatsache rechtfertigen muss. Doch dazu später. 

Als Antwort möchte ich sagen : Ja, die Früh Rente ist eine große Belastung und vor allem auch schrecklich. Allerdings ist die Aussage, es sei nicht normal, quatsch. 

Warum ist eine Früh Rente für mich eine Belastung ? Warum ist es schrecklich oder wie ich sage : Es fühlt sich nicht richtig an. 

Bis 2011 , meinem Zusammenbruch, war für mich die “ Welt “ in Ordnung. Ich funktionierte wie die Gesellschaft es sich antrainiert hat. Man steht morgens auf, hat seinen Arbeitsalltag, Kollegen, Arbeitssituationen, ist bestimmten fachlichen Themen ausgesetzt und definiert die Wörter Arbeit und Freizeit. 

Am Anfang meiner heutigen Diagnose stand die Depression. Während einer Depression ist man selbst zum Denken zu schwach und wenn man es tut, dann kreisen die Gedanken in der Regel in Kreisen, aus denen man nicht ohne Hilfe herauskommt. Jeder kennt es, krank zu sein und mal für ein oder zwei Wochen auszufallen und nicht arbeiten zu gehen. Erkrankt man allerdings über einen nicht zu definierenden Zeitraum, stellt das allein schon einen großen Lebenseinschnitt dar, dem man erst mal mit den bereits gesammelten Erfahrungen gar nicht bewältigen kann, da diese Situation völlig unvorbereitet passiert. 

Ich habe mir während dieser Zeit der Depression sehr große Vorwürfe gemacht. Ich dachte an all die Arbeit, die nun andere übernehmen mussten, das Unverständnis der Kollegen, die Tratscherei, was denken wohl die Menschen und Kunden mit denen ich zu tun hatte, wer übernimmt nun schwierige Aufgaben, eigentlich bin ich unersetzbar, etc, etc. 

Ich selber war so schwach, das ich selbst meinen Kollegen nur bruchstückhaft in komplexe Vorgänge einführen konnte, weil mir das Denken und das Sprechen schwer fiel. Ich war tatsächlich völlig ferngesteuert oder wie ich immer sage : Die Psyche hatte mir den Stecker gezogen. Es gab für mich nur noch die Lebenserhaltenden Maßnahmen : Essen, Trinken und Schlafen. 

Nach dem Klinikaufenthalt und der Phase von Erholung und auch Erkenntnis musste ich feststellen, das ich in diesem Betrieb ( Festspielhaus Baden-Baden ) nicht mehr erwünscht war. Das brachte eine neue Welle der Depression. 

Warum ? Weil der Verlust des Arbeitsplatzes von jetzt auf gleich, einen großen Einschnitt darstellt und vor allem finanzielle Folgen hat. Des weiteren steht nun der Gang aufs Arbeitsamt an, es müssen Formalitäten bewältigt werden, Sachbearbeiter diskriminieren und man versucht einen Job zu finden, der meist unter der finanziellen Ausgangsituation steht , Druck der Krankenkassen entsteht und nicht selten habe ich es erlebt, das Menschen die lange ausgefallen waren in den sozialen Abstieg hineinrutschten. Viele davon und das erwähne ich jetzt mit Nachdruck, haben Suizid begangen, die stärkste Form , die eine neue Depression bringen kann. Das Thema Suizid wird so oder so VÖLLIG unterschätzt. 

Um das ganze ein wenig abzukürzen. Es folgten bei mir Jobsuche, Arbeitsamt, Druck der Krankenkasse, erneute Depression, neuer Job , wieder Depression und Rauswurf. 

Das war der Zeitpunkt wo ich den Gedanken fasste, die Rente zu beantragen. 

Man bekommt nicht einfach Rente in diesem Land , wenn man nicht 67 ist, als Mann. Eine Bewilligung der Rente ist ebenfalls ein langer, schmerzlicher und oftmals auch hoffnungsloser Prozess, der ebenfalls viel am Selbstwertgefühl nagt und eine Perspektivlosigkeit hervorruft, die seinesgleichen sucht. Ebenso ziehen sich meist Freunde und das soziale Umfeld zurück, weil Sie es nicht ertragen können, das man entweder Depressiv ist oder keine Kraft mehr hat, diesem Rentengenehmigungsverfahren Stand zu halten. Die Entscheidung in Rente zu gehen stellt eine große Herausforderung dar. 

Hinzu kommen die Termine bei Gutachtern, die sich innerhalb von einer Stunde ein Bild von mir machten, zu unterschiedlichen Meinungen kamen, die Rentenversicherung das wiederum nur als Anleitung für eine Entscheidung nimmt und das Bangen, das die Entscheidung der Rente noch in den Zeitraum der Zahlung des Krankengeldes fällt, weil man sonst auf Grundsicherung angewiesen ist. ALG 1 bekommt man nach einem längeren Zeitraum nämlich nicht mehr. Denn wenn man krank geschrieben ist, wird zwar das ALG 1 geparkt aber sobald man wieder gesund ist, steht man dem Arbeitsmarkt wieder zur Verfügung, der Rest ALG1 wird gezahlt , aber man muss wieder durch all die Arbeitsamt Mühlen hindurch und landet meist nach ein paar Wochen wieder bei einer Krankschreibung. 

Das alles ist leider gar nicht förderlich, selbst für Menschen, die aus anderen Gründen arbeitsunfähig werden. Dieses Matyrium betrifft alle, die sich entschlossen haben, Rente zu beantragen. 

Bei mir wurde dann im zweiten Anlauf die Rente entschieden. 

Aber was passiert jetzt? Und da kommen wir zu der Belastung die Rente auslöst. 

Als erstes atmet man tief durch, weil man nun einigermaßen finanziell abgesichert ist und keinen Druck mehr hat, funktionieren zu müssen. ABER : man hat ja Lust zu funktionieren. Neue Herausforderungen kamen auf mich zu. Meine tägliche Verfassung entsteht morgens nach dem Aufstehen. Es kann sein, das ich traurig aufwache und der ganze Tag ist im Arsch. Es kann sein, das ich manisch aufwache und so auf Energie bin, das ich Mittags aus dem Stand einschlafe und dann nachts nicht schlafen kann. Ich muss einen für mich geregelten Tagesablauf gestalten, was mir hin und wieder sehr schwer fällt. Ich muss lernen mit mir sorgsam umzugehen und ich muss lernen mich nicht ausgegrenzt zu fühlen. Denn trotz der Rente habe ich immer den Traum, wieder dazu zu gehören, arbeiten zu gehen, Kollegen zu treffen, die meine Arbeit schätzen, Vorgesetzte die mich für gut geleistete Arbeit loben, mein Selbstwertgefühl bestätigen und bedienen. 

Alle diese oben genannten Instrumente fallen weg. Ich muss mich selbst organisieren, niemand lobt mich oder sagt das er meine Arbeit schätzt, ich muss mir selber die Mittagspause verordnen, es gibt keine Arbeit, die ich zu erledigen habe. Ich bin streckenweise sehr einsam und vor allem unterfordert und langweile mich zu Tode. Ich muss aufpassen keinen Alkohol zu trinken und meine Tabletten pünktlich zu nehmen. Ich muss meinen Tagesablauf sehr präzise planen und habe dennoch keine Planungssicherheit, weil immer die Gefahr einer neuen depressiven Episode oder eine manischen Episode besteht, die körperlich sehr anstrengend ist und die mich wieder in allem zurückwirft. 

Hinzu kommt, das ich durch die Tatsache psychisch erkrankt zu sein und in Rente für viele Menschen im Alltag eine persona non grata bin. Sich Menschen von mir ganz offensichtlich abwenden, was das Alleinsein noch verstärkt. Ich bei Wohnungssuche oder anderen Dingen, wo Gehaltsabrechnungen oder andere Dokumente eines Arbeitgebers gefordert werden, passen muss und erklären muss das ich in Rente bin. Damit brauche ich gar nicht weiter zu versuchen , z.b. eine Wohnung zu finden. 

Und als wichtiger Punkt ist zu bemerken. Eine Rente kann auch wieder aberkannt werden. Sicherlich ist das kein so einfacher Prozess , aber es passiert. Also die Gefahr eines neuen Gutachtens, das erneute sich seelisch Ausziehens vor fremden Menschen, die erneute Prüfung und die damit neu entstehende Existenzangst ist nicht unerheblich. Sie schwebt immer über mir. 

Durch Tante Woo und durch das Mitglied sein im Verein Künstlerhilfe e.V. hole ich mir zumindest hin und wieder, je nach Kraft, eine Bestätigung. Das ist ÜBERLEBENSWICHTIG. Für jeden Menschen. 

Und ich sage es ganz ehrlich: Sollte der Fall einer neuen Situation in Bezug auf die Rente passieren, werde auch ich zum Suizid greifen. Dieser Ausweg ist für mich seit der Erkrankung nicht ausgeschlossen. 

Um die Frage nun final zu beantworten : Sei mit solchen Fragen sehr vorsichtig. Auch Du wirst viele Punkte neu ordnen müssen, wenn Du mit 67 in Rente gehst. Auch Dein Alltag Mus neu gestaltet werden und auch Du musst dir alternativen suchen um Dein Selbstwertgefühl aufrecht zu erhalten. Uns unterscheidet nur, das ich eine psychische Erkrankung habe , die für gesunde Menschen nicht nachvollziehbar ist. Aber ich leide in jungen Jahren bereits an dem Gefühl zu wollen aber nicht mehr zu können. 

Und auch Du lieber Leser kannst erkranken. Es gibt viele Ursachen in Rente gehen zu müssen. Also ist das Vorurteil , es ist nicht normal, ein Vorurteil das man überdenken sollte oder daran arbeiten sollte, mit diesem Vorurteil aufzuräumen. Ein solcher Satz diskriminiert und verletzt. Und damit hätte ich das Recht, Dich ebenso zu verletzen. Aber so etwas tue ich nicht. 

Ich wünsche Euch einen grossartigen Sonntag und verbleibe stets dankbar. 

Eure Tante Woo 

Guten Morgen, liebe Interessierte. 

Heute möchte ich meine Gedanken auf ein für mich wichtiges Thema lenken, das nicht unerheblich für meine Erkrankung ist und mit Euch diesen Gedanken teilen, bzw. zum Nachdenken anregen. 

Auch hier bitte ich zu Beachten : Jedes Thema ist individuell zu Betrachen und kann nicht eins zu eins auf andere Menschen übertragen werden. Allerdings können Parallelen entstehen. 

Meine Figur Tante Woo entstand bei meinem ersten CSD in Hamburg 2012. Ich war damals ehrenamtlich bei Hein & Fiete engagiert und war Mitglied in der Truppe Prävention im Außendienst. Das heißt, diese Projektgruppe zieht hin und wieder abends durch die schwulen Kneipen und informiert über HIV und Prävention. In dieser Gruppe befanden sich einige Mitglieder, die auch im sogenannten Fummel mit unterwegs waren. 

Ich hatte als Kind schon immer eine starke Neigung zum Verkleiden jedmöglicher Art. Besonders aber für das Verwandeln in eine Frauenfigur. Ich weiß heute, das ich mir damit den Wunsch einer perfekten Mutter erfüllt habe. So stellte ich mir meine Mutter in meiner Phantasie vor: ein bisschen exzentrisch, künstlerisch wahrnehmend, Schönheit vermittelnd und sicherlich auch anziehend für das Umfeld. Sexualisiert habe ich das damals nicht, weil in meiner Generation über dieses Thema gar nicht gesprochen wurde, geschweige denn, Elternansichten weiter gegeben wurden. Das übernahm damals die Schule, in der wir damals erstmalig Sexualkunde Unterricht hatten. Und selbst mit Fragen aus dem Unterricht zurückkehrend wurden zu Hause keine Fragen beantwortet. 

So weit, so gut. 

2012 dann dachte ich , aufgeschwemmt durch Antidepressiva und damit sexuellen Funktionsstörungen, das ich irgendeinen Strohhalm benötige um mich zu beschäftigen. Denn meine Tage waren lang, traurig, depressiv und ein einziges Gedankenkarusell. 

Ich begann also eines Tages damit, kaufte mir Schminke im Drogeriemarkt und fing an. Das hatte mit dem Ergebnis heute gar nichts zu tun, aber in der Tat , es lenkte mich ab. Ich entwickelte die Vorstellung, auf Partys in Verkleidung zu gehen und endlich, wenigstens Nachts, ein anderer Mensch zu sein. Abfeiern wie man so schön sagt. 

Ich möchte jetzt nicht auf die entstehenden Schwierigkeiten eingehen, die man hat, wenn man sich für dieses, in meinem Falle Hobby ( ich nenne es so, weil ich damit kein Geld verdiene oder mir den Lebensunterhalt verdienen muss ), entscheidet , da das Outfit für einen Mann etwas schwieriger zu besorgen ist , als für eine Frau. Kleidung, Schuhe, die richtigen Wimpern, Make up und Technik, sein eigenes Gesicht finden, etc. 

Aber nochmals : Es lenkte mich streckenweise wirklich von meinen gesundheitlichen Problemen ab. Ich malte was das Zeug hielt, es gingen die ersten Freundschaften in die Brüche , die mir nun eine weibliche Veränderung unterstellten und mich schon als transsexueller Mensch sahen und die Verbindung zwischen Ablenkung und dem Verstecken meiner Person nicht sahen. ( In meinem Falle , spielt Transexualität keine Rolle ). 

Doch schauen wir uns das heute an. 

Wir schreiben nun das Jahr 2017, Tante Woo ist nun schon eine Weile da und die Ablenkung ist einigermaßen dahin. Ich frage mich oft warum?. Hätte es mir gut getan, das ganze weiterhin als Ablenkung zu nutzen, wäre es besser gewesen, bestimmte Erfahrungen nicht gemacht zu haben. 

Eines meiner großen Grundprobleme, ich habe das ja schon mal geschildert, ist meine Suche nach sexueller Identität als Mann. Ich halte mich weder für besonders weiblich oder männlich. Meine Phantasie entsteht aus der Situation heraus und meistens , zumindest heut zu Tage in der schwulen Community wird meine Phantasie schon vor der Entwicklung zunichte gemacht. Man muss sich immer bewusst machen, das die schwule Community eine der narzisstischsten Gesellschaftsformen überhaupt sind : Körperkult, Fitness, Übergewicht, Verhalten, Kleidung, Drogen, Alkohol und vor allem das Alter sofort bewertet werden und das Aussortieren dort meist auf eine sehr verletzende Weise vorgenommen wird. 

Natürlich gibt es auch Ausnahmen, die sind aber meines Erachtens rar. 

Das oben genannte, trägt nun für mich schon zu einer Isolierung bei. Vor allem mit mangelnden Selbstbewusstsein, einer eher intellektuell geprägten Natur, mit meinem speziellen Hobby und meines künstlerischen Berufes, den ich ausgeübt habe, in meinem früheren Leben. Selbst belesen zu sein, ist in der Szene meist ein Fremdwort. 

Ich habe festgestellt, das ich auch mit Tante Woo an Grenzen stoße, die mich hin und wieder sehr belasten und die meine manisch-depressive Erkrankung sehr beeinflussen können. Ich musste und muss immer noch lernen, hiermit umzugehen. Und das fällt mir nicht leicht. 

Nach verschiedenen Erfahrungen mit meinem DRAG dasein war für mich sehr schnell klar, das ich ohne Auftrag , also wenn ich nichts auf der Bühne zu tun habe, auch nicht in DRAG hoste, auf Gesellschaften gehe, auf Partys gehe etc. Ich bekomme dann sofort das Gefühl, das sich meine schon vorhandene Störung verstärkt. Da ich als Grundproblem schon immer davon ausgehe, das man mich als Mann oder als sexuellen Teil nicht wahrnimmt, empfinde ich es als DRAG ohne Bühne ( also kein persönlicher Kontakt ) als unheimliche Belastung. Ganz absurd wird es für mich, wenn mich Heterosexuelle Männer im Fummel attraktiv finden, obwohl Sie eigentlich genau wissen, das ich weder wie eine Frau aussehe noch eine bin. Da bin ich ehrlich : Das Überforderung mich in einem Bruchteil einer Sekunde. In der schwulen Community ist für mich eher die Ablehnung ein Problem. Dort herrscht meiner Meinung eine bestimmte Ambivalenz. Auf Partys sind DRAGS heute fast immer präsent. Es ist in und hipp. Auch hier gibt es in der Tat dumme anmache oder beleidigende Momente, in denen man selbst als nicht kranker Mensch zu schlucken hätte. 

Obwohl ich ausschließlich nur auf einer Bühne unterhalte, versuche ich möglichst nach einer Vorstellung keine Diskussion über Tante Woo entstehen zu lassen. Ab dem Moment , wo ich eine Bühne verlasse, verlasse ich auch Tante Woo. Denn ich möchte wenn überhaupt, für die künstlerische Leistung gelobt oder kritisiert werden, nicht aber für die Tatsache, das ich mir auf der Bühne eine Kunstfigur ausgesucht habe. 

Im Fazit bin ich manchmal sehr traurig darüber, das meine Festplatte ( meine Erfahrungen ) so festgeschrieben sind, das ich mich als Mann minderwertig fühle auf eine Bühne zu gehen und zu singen. Ich sehe darin keine Berechtigung. Das ist Teil meiner Krankheit , was ich auch weiß, macht es aber im Umgang mit Tante Woo auch nicht einfacher. 

So gern ich Sie auch bin und Ihr teilweise fiktive Geschichte gerne bediene, ist doch ein Teil von Ihr todunglücklich und damit entsteht für mich ein entscheidendes Gefühl: 

Es gibt Momente, da fällt es mir sehr schwer mich zu schminken, weil ich evtl. an diesem Tag traurig über mein grundsätzliches Verhalten bin, das ich diese Ambivalenz als sehr belastend wahrnehme. Und ich gebe zu, wenn Roman Who? nicht da wäre, gäbe es auch Tante Woo nicht mehr. 

Was gäbe ich darum, wie Kollegen von mir, die es als Job ausüben, mit all den Gefühlen und auch Ambivalenzen umgehen zu können. Manchmal bin ich fast ein wenig neidisch darauf. Es fehlt mir an der berühmten Leichtigkeit. 

Gedanken oder permanent zu denken ist ein Fluch. Besonders wenn eine winzige Kleinigkeit dazu führen kann, das ein sogenannter Tagestrigger entstehen kann und damit bei einer bi-polaren Störung , der Tag dann gelaufen ist. 

Ich hoffe, Ihr könnt meiner Gedanken ein wenig nachvollziehen. Das Thema war und ist mir aber wichtig. 


Eure stets dankbare Tante Woo und Andreas 

Liebe Interessierte, 

heute möchte ich mich einem unbeliebten Thema widmen, welches sehr schwierig ist mit dem eigenen sozialen Umfeld zu diskutieren und was grundsätzlich alle Menschen mit einer Krankheit trifft, die in Erwerbsunfähigkeitsrente sind. 

Hört man das Wort Rente assoziiert man im allgemeinen, das ein Mensch nach erfolgreichem oder weniger erfolgreichen Arbeitsleben nun in einen Zustand der “ Freiheit “ gehen kann. Denn auch ich habe immer gedacht, was gäbe ich darum endlich nicht mehr morgens aufstehen zu müssen, Stress und Probleme von Arbeitsleben in Träumen oder schlaflosen Nächten wälzen zu müssen und sich mit ungeliebten Chefs oder Kollegen zu umgeben. Oder endlich einem Arbeitsleben zu beenden in einem Job, den man vielleicht sogar gar nicht gerne ausgeübt hat. Doch der Schein trügt. Die Gedanken sind romantische Gedanken ( so nenne ich sie mal ) die das wirkliche Bild von Rente verherrlichen. Auch wenn es in diesen Gedanken nun um Menschen geht, die Mitten im Leben ( wie wir so schön sagen ) in Rente gehen , haben auch Menschen die das gesetzliche Rentenalter erreicht haben mit sehr vielen Veränderungen zu kämpfen und aus wissenschaftlichen Erhebungen weiß man, das nicht wenige in Depressionen und auch Suizid abrutschen, weil Rente für einen Großteil der Bevölkerung z.B. unter Berücksichtigung der finanziellen Situation noch belastender sein kann , als zu arbeiten. 

Hört man das Wort Rente aus dem Munde eines Menschen der weit unter dem gesetzlichen Rentenalters liegt, assoziiert man sofort Krankheit. Eine schlimme Krankheit. Denn in einer vollen Erwerbsunfähigkeit zu leben, bedeutet, das man nicht mehr in der Lage ist mehr als 3 Stunden täglich arbeiten zu gehen. Also für den Arbeitsmarkt nicht mehr brauchbar ist. Aussortiert. 

Da es bei mir im Thema um die psychischen Erkrankungen geht, möchte ich auch nun hier Bezug drauf nehmen. Ich möchte anmerken, das es bei anderen Erkrankungen im Kern sicherlich um das gleiche Problem geht, also nicht mehr im Alltag dazugehörig zu sein und um alltägliche Probleme , die Rente eben nun mal mit sich bringt und wo es oftmals aus körperlichen Gründen wie Krebs, MS, Demenz, Parkinson, etc. körperliche Gründe hat, aus dem Arbeitsleben vorzeitig auszuscheiden. 

Psyche ist ein schwieriges Thema. Wird es vielleicht auch immer bleiben. Warum ? 

Weil es im Grunde genommen, abgesehen von einer schweren Depression, einer extremen manischen Phase, Schizophrenie oder Zwangsstörung fast nicht sichtbar ist. Bei Krebs und anderen Krankheiten gibt es nachweisbare Veränderungen am und im Körper, ein Tumor ist sichtbar und die Behandlungsmethoden wie Chemo und andere sind bekannt und assoziieren entweder Heilung oder Eindämmung und für mich ganz wichtig, eine sichtbare Besserung oder Verschlimmerung die sozusagen greifbar oder messbar ist. 

Da verhält es sich bei der Psyche anders. 

Wie oben genannt sind heftige Phasen sichtbar. Aber sie verschwinden auch wieder , sind aber deshalb nicht geheilt oder ausgestanden. Depressionen z.B. können so schnell kommen und gehen und man bekommt es kaum mit. Psyche und psychische Veränderungen werden von Betroffenen manchmal gar nicht wahrgenommen, denn z.B. in einer schweren Depression hat man gar nicht die Kraft zu reflektieren und befindet sich in einer Parallelwelt, die für Aussenstehende oftmals falsch bewertet wird ( der will nicht, streng Dich an, Du schaffst das , Du hast aufgegeben ) oder gar nicht gesehen wird, weil die Psyche nicht greifbar ist, die Symptome bei jedem Menschen anders sind und selbst von Ärzten falsch bewertet werden. ( im übrigen ein anderes großes Thema, dem ich mich bestimmt noch mal widme) 

Bleiben wir aber beim Ausgangspunkt durch eine psychische Erkrankung in Rente gehen zu müssen. 

Dazu ein kleines Beispiel, was mir letztens Wiederfahren ist. 

Mein Mann und ich sind auf Wohnungssuche. Wir stammen aus mittleren Verhältnissen, haben selbst mit Rente und dem Verdienst meines Mannes ein gutes “ Einkommen “. Interessant wird es , wenn dann die Sprache auf die Verdienstbescheinigungen kommt. Da ich nicht sabbernd durch die Gegend laufe, nervöse Zuckungen habe, mich merkwürdig verhalte kommt man natürlich nicht auf den Gedanken einen Menschen vor sich zu haben der schon in Rente verweilt. Aber man muss es natürlich zur Sprache bringen. Nun hat man zwei Möglichkeiten ; Entweder man lügt ( also ich bin berentet weil ich einen Arbeitsunfall hatte oder eine andere Krankheit ) oder man sagt die Wahrheit. In beiden Fällen keine gute Ausgangssituation. Meine Rente ist eindeutig nachweisbar und der Verdienst meines Mannes auch. Aber ich bekomme oft zu hören : Nein das möchten wir nicht als Mieter haben. Ohne feste Anstellung tut es uns leid. 

Das ist nur ein Beispiel einer Ausgrenzung die sofort Folgen für die Psyche hat. Zumindest bei mir. Bei mir löst es den Trigger ( Trigger sind meist Erfahrungen aus dem bisherigen Leben, die wir mit schlimmen Situationen verbinden und die wir psychisch nicht mehr unter Kontrolle halten können ) aus. Ich bin Tage damit beschäftigt nicht depressiv zu werden und meine lauten Selbstgespräche ( die ich zur Bewältigung brauche ) nehmen enorm zu und ich träume davon was meinen darauffolgenden Tag oder Tage zu einer Katastrophe werden lässt. 

Im sozialen Umfeld bekommt man beim erwähnen des Themas mitleidvolle Bekundungen und im schlimmsten Falle richte Ablehnung oder Verspottung zu hören. “ Gott ist das schrecklich nicht mehr zu arbeiten “ , “ Was machst Du tagsüber “ , “ Du steigerst Dich aber auch da rein “ , “ Bist du jetzt stolz auf die Rente “ , etc. 

Es findet eine verbale Ausgrenzung statt, die man nicht mehr unter Kontrolle halten kann und das Selbstbewusstsein welches eh schon angeschlagen ist, gerät mit solchen Sätzen an den Rand eines Abgrundes. 

Rente bedeutet eine große Veränderung im täglichen Leben. Wenn man , so wie ich , von ein aus dem anderen Tag aus einem 16 Stunden Job fliegt kann man sich vielleicht vorstellen, das es zusätzlich zur Erkrankung zu einer Verdoppelung von Problemen kommt. Wirklich realisiert habe ich das erst nach 4 Jahren, da ich zu diesem Zeitpunkt mehr Abstand zum Ereignis des Ausscheidens aus dem Job hatte und auch wieder gute Phasen hatte. 

Ich habe Zeit meines Lebens fast ausschließlich in künstlerischen Berufen gearbeitet. Der Rhythmus eines Tages sieht dort ein wenig anders aus , als in anderen Berufen. 

Ich musste nun beginnen einen völlig neuen Rhythmus zu schaffen, wobei ich hier nicht auf bereits gesammelte Erfahrungen zurückgreifen konnte. Aufstehen ohne Auftrag, den Vormittag gestalten, sich neue Inhalte geben, den Mittagsschlaf einzuführen der für mein psychisches Verhalten maßgebend ist, sinnvolle Tätigkeiten zu entwickeln, ein neues soziales Umfeld zu schaffen ( denn die Mehrheit der Menschen mit denen ich mich umgebe hat den Tag über zu tun und vor allem andere Alltagsprobleme ) , dafür zu sorgen, das meine sozialen Synapsen bestehen bleiben wie z.B. Kritikfähigkeit, sich dem Alltag auszusetzen, nicht in eine Phantasiewelt abzugleiten, sich selber zu motivieren, sich neu zu akzeptieren und dennoch immer wieder sehr schlechte Phasen zu haben, Medikamente regelmäßig und vor allem zu festen Zeiten einzunehmen, nicht aus Frust dem Alkohol und Drogen zu verfallen , sexuelle Lustlosigkeit durch Medikamente zu akzeptieren, die Liste ist lang. 

Ich musste mich damit abfinden in einer Leistungsorientierten Gesellschaft, die wir nun mal sind , sinnvoll zu bewegen und zu agieren. Immer mit der Gewissheit, das ich nicht mehr zu dieser Leistungsorientierten und Karrieorientierten Gesellschaft gehöre. Damit seinen Frieden zu machen fällt mir , ich hoffe für Euch Leser, in meinem Alter von 49 verhältnismäßig schwer. Arbeit bedeutet ja nicht nur “ Knechtschaft “ sondern einer Tätigkeit die andere Horizonte eröffnet, soziale Synapsen fördert und entwickelt, von anderen Lebensproblemen ablenkt und vor allem auch verdrängt ( Verdrängung gehört zu unseren Lebensnotwendigen und Lebenserhaltenden Fähigkeiten ) werden. Arbeit fördert soziale Kompetenz und stärkt durch Erfolge das Selbstwertgefühl und die damit verbundene Entlohnung ist ein wichtiger Bestandteil. Man hat Geld verdient für etwas das man geleistet hat. 

Das sieht in der Rente anders aus. Man ist all dem nicht mehr ausgesetzt und Geld bekommt man ohne etwas zu leisten. 

Um nochmals kurz auf die Synapsen einzugehen. Synapsen sind Zellen , die vereinfacht gesagt , mit einander Verbunden sind und die sich ausbilden. Ein Leben lang. Bestimme Synapsen, die für bestimmte Lebenskompetenzen zuständig sind, können, wenn Sie nicht mehr bedient werden, verkümmern. Das kann z.B. bedeuteten : Wenn ein Mensch unter einer Angsphobie leidet und nicht mehr aus dem Haus kann, dann verkümmern seine Synapsen sich unter Menschen zu bewegen und normal zu reagieren. Es kann also sein, das etas vorhandenes erst wieder mühsam gelernt werden muss. Was mit zunehmenden Alter immer schwerer fällt. Das beste Beispiel für mich ist z.B. das Erlernen einer neuen Sprache im Alter. Fällt schwerer als noch in jungen Jahren. 

Dieser Text könnte jetzt zu einem Buch auswachsen.Deshalb möchte ich versuchen zum Schluss meiner Gedanken zu kommen und einen Wunsch definieren. 

Erkrankte Menschen, die nur noch beschränkt Leistungsfähig sind und einer regelmäßigen Arbeit nicht mehr nachgehen können, weil das Risiko des Ausfallens hoch ist und vor allem auch lang sein kann, sind auf Rente in frühen Jahren angewiesen und können froh sein, wenn Sie diese auch erhalten. 

Im Falle der psychischen Erkrankungen gibt es auch durchaus Phasen, in denen regelmäßiges Arbeiten möglich wäre. 

Ich würde mir wünschen, das die Gesellschaft , vor allem die gesunde Gesellschaft ( kein Vorwurf ) dran arbeitet, Möglichkeiten zu schaffen, in denen auch psychisch erkrankte Menschen ohne Druck und große Belastung einen Job nach Ihren Fähigkeiten ( das ist ein wichtiger Punkt, denn ein Manager der nun Stifte zusammensetzen muss, wird durch Unterforderung wieder sehr schnell depressiv ) schafft. Möglichkeiten , mit intensiver Betreuung durch ausgebildete Therapeuten, in guten Phasen wieder ein Gefühl von ich gehöre dazu und kann mich wieder mit anderen Problemen gesund auseinandersetzten, zu schaffen. Trotzdem Akzeptanz und Wertschätzung zu erfahren, wenn schlechte Phasen wieder zu einem aussetzen der Arbeit führen. Behörden die dann die Rente wieder aufnehmen ohne zusätzliche erneute Diskriminierung durch behördlich gestellte Gutachter. 

Ich würde mir mehr Kurse und Aufklärung in Betrieben über das Erkennen von psychischen Veränderungen an Kollegen wünschen. Früherkennung ist in diesem Bereich ein wirkliches Fremdwort. 

Ich würde mir wünschen , das gesunde Menschen Kurse im Umgang mit psychisch erkrankten Menschen absolvieren können um zu lernen, wie man richtig und respektvoll mit einem erkrankten Menschen umgeht. ( z.B. muss man bei Menschen mit einer Demenz auch erlernen wie der Umgang am besten funktioniert. Demenz ist im übrigen eine psychische Erkrankung ).

Ich weiß aus eigener Erfahrung, das wir noch am Anfang meiner Wünsche stehen. Die Psychologie ist a) noch nicht so alt und b) erst in den letzten Jahren tatsächlich in ein kollektives Bewusstsein der Gesellschaft eingedrungen. Es gilt nun, ein richtiges Verhalten damit zu generieren. Vorurteile abzubauen. Denn bei Krankheiten denkt man ja nun oft, oh Gott entsetzlich , aber mich trifft so etwas nicht. Das ist a ) falsch und b) das Risiko ist immer da. 

Wir brauchen mehr staatliche Aufklärung und Prävention und wir brauchen ein gesundes miteinander und respektvollen Umgang. Und wir benötigen meiner Meinung nach Grundlagen , damit Menschen mit Erkrankungen nicht ausgegrenzt oder Diskrimierungen ausgesetzt sind. Und wenn es um Gehaltsbescheinigungen geht oder um Wahrheit geht und man sich als Erwerbsunfähig outen muss, keine Angst zu haben, das Chancen schlechter stehen als bei Menschen ohne Rente. ( zumal nicht jeder Menschen mit psychischer Erkrankung ist erwerbsunfähig und geht trotz Medikamente arbeiten ). Der Grad er Erkrankung ist ausschlaggebend. 

Ich werde mich in jedem Falle durch meinen Verein für solche Themen einsetzen, in die Öffentlichkeit damit gehen und versuchen , in meinem beschränkten Umfeld , Aufklärung zu leisten und Veränderungen im Verhalten anzustoßen. 

Ich wünsche Euch allen einen schönen Tag

Eure stets dankbare Tante Woo und Andreas Schmidt 

Liebe Mitglieder und Interessierte,  

ich hoffe es geht Euch allen gut und Ihr habt den Sommer gut überstanden. 

Hier ein paar neue Informationen über den Verein und die Aktionen die stattgefunden haben oder kommen. 

Roman Grübner und ich konnten im Sommer erfolgreich für den Verein auf dem CSD Hamburg singen und werben. Ebenso war unser Benefizkonzert im Kukuun im Juli ein großer Erfolg. 

Wir werden nächstes Jahr am 21.07.18 im Kukuun den neuen Abend : BARHOCKER ABEND herausbringen. 

Dort werden wir innerhalb des Konzertes über unsere Via: also Kindheit, Jugend und dem Heutigen plaudern und dabei Lieder und Songs singen, die uns persönlich während unserer Jugend begleitet haben, mit der Story verbinden. 

Ich möchte Euch herzlich zum 28.10.17 ins Kukuun zu unserer jährlichen Benefizgala einladen. Wir haben diesmal wunderbare Gäste : Eveline Hall, Elke Winter, Veronique Elling, Sarah Mäteborg, Robert Marx und Tante Woo und Roman Who? die auch beide durchs Programm führen. 

Der Abend ist gleichzeitig ein Informationsabend über den Verein. Wir würden uns über interessante Fragen oder auch neue Mitglieder / Förderer freuen und stehen nach dem Konzert Rede und Antwort. 

Beginn des Abends ist 20.00 Uhr und Einlass um 19.00 Uhr. 

Wir würden uns freuen , wenn Ihr zahlreich erscheint. 

Eintritt ist für Mitglieder, Interessierte und Begleitung kostenfrei. 

Eine Personalie gibt es zu verkünden. 

Wir haben ehrenamtlich Unterstützung erhalten von Danielle Schönke. Sie ist Gründungsmitglied und wird ab sofort die Presse und Öffentlichkeitsarbeit unseres Vereins übernehmen. Wir sagen hier schon einmal Danke für Deine Hilfe in unserem Verein. 

Termine über Konzerte und Werbeveranstaltungen könnt Ihr wie immer auf der Web Seite : www.kuenstlerhilfe-ev.de einsehen. 

Ich möchte nochmals betonen, das Mitglieder die künstlerisch tätig sind, gerne in Ihrer Region oder Stadt im Namen der Künstlerhilfe e.V. auch Konzerte durchführen könnt. Das kann man schnell absprechen und dann los. Natürlich gibt es eine Aufwandsentschädigung ( max. 250 EUR ) dafür. 

Natürlich laufen im Hintergrund auch noch andere Planungen. 

Unser wirklich Beschäftigter erster Vorsitzende Herr Matz, ist gerade dabei ein Konzept zu entwickeln, das wir als Verein Heilpraktiker für Psychotherapie ausbilden können und damit Menschen auf die gezielte Therapie Problematik schulen können. 

Ebenso haben wir im September in Brandenburg ein Mittelalterliches Kinderfest veranstaltet, das großen Erfolg hatte und uns das Land Brandenburg signalisiert hat, dieses in Zukunft direkt zu finanzieren. 

Ihr seht, wir setzten uns auch für andere Projekte ein, schauen über den Tellerrand und bekommen damit die Möglichkeit noch besser zu agieren, als auch die Umwelt mit unserem schwierigen Thema zu erreichen. 

Hiermit verabschiede ich mich wieder in die Vereinsarbeit und wünsche Euch allen beste Gesundheit. 

Ich hoffe , das wir den ein oder anderen bei einer unserer Veranstaltung treffen. 

Euer Andreas / Tante Woo 

Liebe Interessierte, 

heute möchte ich mich eines Themas annehmen, das in unserer Gesellschaft ungern besprochen wird und vor allem immer noch starke Konsequenzen nach sich zieht. Die Frage : sollte man als Betroffener zu dem Schritt greifen, sich als depressiver Mensch zu outen oder während einer Phase der Depression oder der Angst dieses zu erkennen geben. 

Ich brauche da gar keine anderen Beispiele heranzuziehen, da ich ja selber Betroffener bin und viel Erfahrung mit sowas besitze. 

Im Moment z.B. befinde ich mich in einer wirklich komplizierten Verfassung. Alles begann vor zwei Wochen in Köln, wo ich zusammen mit Roman Who? ein Benefizkonzert zugunsten des Vereins gab. 

Die Anreise verlief einigermaßen problemlos und der Abend auch. Am nächsten morgen merkte ich schon das etwas im Anmarsch war. Depression zeigt sich bei mir durch eine sehr ausgeprägte Traurigkeit und vor allem, wenn ich beim Aufwachen schon denke und die Spirale nicht durchbrechen kann. Doch diesmal ging es weniger um Depression sondern um Panik und Angstattacken. 

Aus heiterem Himmel passierte das genau in dem Moment, in dem ich mich anfing zu schminken. 

Der Puls begann zu rasen, mir wurde schwindlig, Panik und Todesangst kamen auf, ich musste mehrmals unterbrechen und die Zeit wurde mein Feind, da ich fertig werden musste. Panik äußert sich bei mir mit dem Wunsch wegzulaufen. Aber selbst wenn ich mich setze oder hinlege, habe ich das Gefühl, mein Kreislauf bricht zusammen. Ich bin alleine und kann mich nicht wehren oder Hilfe rufen. Notfall Medikamente hatte ich keine dabei, da die Attacken in letzter Zeit nicht vorhanden waren. 

Ich neige dann dazu, sofort zu überlegen wo kommt es her. Es macht mich rasend, weil ich ich den Grund während so einer Attacke nicht benennen kann. 

Ich rief nun in Verzweiflung eine Freundin an, die mitgekommen war und Sie half mir dann durch zureden weiter zu machen. 

Ich dachte kurzfristig , ich sage ab. Aber das verschlimmert das Ganze dann noch, weil man sofort ein schlechtes Gewissen bekommt und man sich fragt, was denken die Menschen von einem. 

In meinem Fall trat dann der Moment auf, wo ich dissoziiere. Das bedeutet ich trenne mich vom Köper und werde apathisch. Leerer Blick und vor allem nach Rückkehr in den Körper oder in die Gedanken, kann ich mich an vieles nicht mehr erinnern. Das ist mit die schlimmste Art von Panik und vor allem die gefährlichste, da man nicht mehr weiß was man tut. Hier ist in der Tat Beaufsichtigung notwendig. 

Ich habe mich dann während des Konzertes geoutet und dem Publikum mitgeteilt, das ich gerade in dem Moment des ausübens ziemlich wacklig war. 

Ich muss dazu sagen, das mir das mittlerweile selten passiert, aber gerade scheine ich eine solche Phase von Panik zu haben. 

Wenn die Psyche dann im Kopf nicht mehr weiter kommt, geht es an die Psychosomatik. In meinem Fall ist das dann der Rücken. Alles wird steif, ich habe Schmerzen und kann mich kaum noch bewegen. Resultat sind Einnahme von Schmerzmitteln. Auch nicht wirklich gesund. 

Die Frage sich zu outen in so einem Fall ist eigentlich für mich als erkrankter Mensch eine wichtige Sache. Denn ich kann der Umwelt mitteilen, das man heute einfach mal mehr auf mich aufpassen muss. Allerdings sind die Umwelt oder Freunde oder auch Arbeitgeber mit solch einer Situation meist völlig überfordert. Was verheerende Konsequenzen für den Betroffenen mit sich bringt. 

Freunde sind meist hilflos, es sei denn , Sie kennen sich mit dieser Erkrankung ein bisschen aus oder haben keine Berührungsängste damit. 

Arbeitgeber ziehen sofort, meistens für den Betroffenen, harte Konsequenzen und können somit zusätzlich, die Situation verschärfen. ( Deshalb outen sich viele Betroffene nicht und fressen zusätzlich alles in sich hinein, was Panik und Angst noch verschlimmern kann). Die Masse der Umwelt lenkt bei diesem Thema ab oder möchte darüber erst gar nicht reden. 

Aber man muss es auch beim Namen nennen: Jeder Mensch hat Trigger, also Auslöser von Überreaktionen oder auch z.B. Aggression. Jeder Mensch hat eine Vergangenheit, die bestimmte Momente die erlebt werden mit Erfahrungen der Kindheit oder Erfahrungen generell in Verbindung und Vergleich gebracht werden. Überreaktion oder auch Aggression , selbst vom Thema abzulenken, sind Mechanismen, sich seiner eigenen Angst oder seinen negativen Erfahrungen zu stellen. Diese Tatsache heißt natürlich nicht, das man selber ausgeprägte Störungen hat oder haben muss. Aber Trigger sind allgegenwärtig. 

Ich nehme in solchen Momenten Notfall Medikamente, die mich dann relativ schnell auf eine normalen Level bringen. Aber es bleibt die Angst, entdeckt zu werden, Konsequenzen tragen zu müssen und vor allem meine Lebensleistung aberkannt zu bekommen. Und zwar mit einem Schlag. 

Sei vorsichtig, wem Du was erzählst , kommt aus dem Freundeskreis. Du riskierst Deinen Ruf. Du grenzt dich damit aus. 

Ich sage ganz deutlich : Nein. 

Erstens habe ich den Verein nicht umsonst gegründet und schon gar nicht weil ich schweigen will. Ich setzte mich , auch wenn es nervt , immer wieder dafür ein, das die Umwelt ein Gespür bekommt für außergewöhnliche Situationen, präventiv erkennt wann Gefahr in Verzug ist und entsprechend handeln kann. 

Ich vergleiche das gerne mit Erste Hilfe. Wenn ich einen Unfall sehe oder Menschen in Not, dann bin ich aufgefordert zu helfen. Ich bin kein Arzt und ich trage auch keine Verantwortung wenn der Mensch, dem ich helfe, evtl. stirbt oder ich Ihm bei einer Wiederbelebung die Rippen breche. Tue ich nichts mache ich mich strafbar. 

Und ähnlich verhält es sich mit psychisch Erkrankten. Aber da das Erkennen von extrem Situationen und nur davon rede ich, nicht auf Lernplänen oder in Erste Hilfe Kursen besprochen werden, kann keine Erste Hilfe geleistet werden, bzw. werden Situationen nicht erkannt. Hier MUSS sich etwas ändern. 

Ebenso ändern muss sich die allgemeine Einstellung und das Wissen darum, das negative Konsequenzen, die sicherlich in Härtefällen notwendig sind ( dann allerdings mit ärztlicher Hilfe ) , auch weitere Verstärkungen von Panik und schlechtem Gewissen nach sich zieht. Und genau dann, kommt nach der Panik oder Angstattacke die Depression. Und dieses Tal muss der Betroffene durchleben, während die Umwelt sich in Sicherheit wiegt und darüber nicht nachdenkt. Es fehlt ein Maß an Empathie und vor allem an Verständnis. 

Ich oute mich. Ja!. Weil ich der Meinung bin, auch wenn es negative Konsequenzen für mich hat oder haben sollte, das Schweigen und in sich hineinfressen zu sehr gefährlichen Situationen wie Suizid führen kann. Ich möchte Mut machen, sich mitzuteilen damit genau dieses höchste Gut des Menschen zu leben, gesichert ist. 

Der Verein arbeitet ja daran in Zukunft Heilpraktiker für Psychotherapie ausbilden zu können mit dem Schwerpunkt des Therapieansatzes für Künstler. Künstler funktionieren ein wenig anders und benötigen andere Schwerpunkte der Trigger Bewältigung. 

Und man sollte als Umwelt oder Freund oder Arbeitgeber immer beachten : Als Betroffener hat man Erfahrung, meist sehr viel Erfahrung mit solchen Momenten. Durch das mitteilen bittet man nur um eine kurze zeitliche Beobachtung und die Bitte von außen zu reagieren, sollte man es selber nicht mehr können. Wir wissen mit diesen Momenten umzugehen, wir wissen welche Medikamente schnell helfen und wir wissen auch ob es so schlimm wird, sofort zu handeln. Man beachte bitte, das Menschen mit anderen Erkrankungen wie z.B. Diabetes , Herzkrankheiten, Epilepsie und anderes , ebenfalls nur um eine kurze zeitliche Aufmerksamkeit bitten, sollte es zu Notfällen kommen. 

Aber nach wie vor, sind Ausfälle oder Anfälle die psychischer Natur sind, geprägt durch Angst der Umwelt und werden als gefährlicher eingestuft , als die o.g. anderen Erkrankungen. OBWOHL auch bei diesen im Extremfall der Tod eintreten kann. Das sollte uns allen zu denken geben. 

Ich werde mich weiterhin für eine breite Aufklärung einsetzen, werde für Gleichberechtigung und Entstigmatisierung kämpfen, weil ich als Betroffener in vielen Fällen sozial ausgegrenzt werde, das was ich leisten kann ,trotz dieser Erkrankung, leiste und gut leiste und weil ich trotz der Erkrankung emphatisch und verständnisvoll auf andere Menschen zugehe und deren Probleme oder Erkrankungen ernst nehme und nicht mit Belanglosigkeiten abschmettere. 

Auf eine gemeinsame Achtsamkeit und Toleranz. 

Eure stets dankbare Tante Woo